25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben am Ostermontag in Bayern mehr als 20 000 Menschen gegen Atomkraft demonstriert. Allein im unterfränkischen Bergrheinfeld nahe dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld formierten sich nach Veranstalterangaben rund 15 000 Menschen zu einem Protestzug; die Polizei sprach von mehr als 10 000 Teilnehmern. Im schwäbischen Günzburg nahe dem Kernkraftwerk Gundremmingen kamen nach Polizeiangaben rund 8000 Atomkraftgegner auf dem örtlichen Marktplatz zusammen.

Ein Sprecher des Aktionsbündnisses Unterfranken, das zu der Demonstration in Bergrheinfeld aufgerufen hatte, sprach von dem bisher größten Anti-Atom-Protest vor dem AKW Grafenrheinfeld. Bei einer Kundgebung in Sichtweite der beiden Reaktorkühltürme forderten Teilnehmer auf Spruchtafeln und Transparenten unter anderem "Abschalten. Kein Bedarf". Eine Fahne zeigte einen Totenkopf mit Atomkraft-Warnsymbolen in den Augenhöhlen. Ein Teilnehmer warnte auf einem Schild vor der Gefahr eines Flugzeugabsturzes auf das Atomkraftwerk.
Als Rednerin trat auch die Buchautorin Gudrun Pausewang auf, die in ihrem Roman "Die Wolke" die Folgen eines GAU im Kraftwerk Grafenrheinfeld schilderte. "Ich habe ein Leben lang gegen Atomkraft gekämpft. Jetzt wird es endlich Zeit, sich von dem nuklearen Wahnsinn zu verabschieden", sagte sie unter großem Beifall der versammelten Atomkraftgegner. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) Bayern, Sebastian Schönauer, forderte einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energie. Deutschland brauche eine dezentrale Energieversorgung, die dem Einfluss der "Finanzmafia" entzogen sei.

Zuvor hatten die Veranstalter vom Kundgebungsplatz inmitten gelb blühender Rapsfehler 1000 Luftballons aufsteigen lassen, die eine radioaktive Strahlungswolke im Fall einer Atomkatastrophe symbolisieren sollte. Ein starker Südwind trieb die Ballons in Richtung Würzburg. "Dabei behaupten die Betreiber des AKWs immer wieder, Südwind sei ganz selten. Heute hätte die Strahlungswolke voll die Stadt Würzburg getroffen", gab der Sprecher des Aktionsbündnisses, Matthias Lewin, zu bedenken.
In Günzburg forderten zeitgleich rund 8000 Menschen die rasche Abschaltung des benachbarten Atomkraftwerks Gundremmingen. Von den in die Kreisstadt strömenden Menschenmassen zeigte sich selbst die Polizei überrascht: "Mit einem solchen Zulauf haben wir eigentlich nicht gerechnet", sagte ein Beamter. Auch diese Aktion verlief friedlich. Es seien Menschen aus allen Bevölkerungsschichten dabei gewesen - "alles ordentliche, normale Bürger", fügte der Beamte hinzu. Die Demonstration hatte unter dem Motto "Vor 25 Jahren Tschernobyl, heute Fukushima - und morgen?" gestanden. dpa