Angesichts rasant steigender Corona-Zahlen ist eine neue Diskussion über Einschränkungen für Menschen ohne Impfung entbrannt. Sollten die Neuinfektionen weiter so zunehmen, müssten sie ihre Kontakte wieder reduzieren, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) der «Bild am Sonntag». «Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist», warnte er. CDU-Chef Armin Laschet bremste sogleich: Der Vorschlag müsse noch einmal erörtert werden.

Braun äußerte seine Sorge über die zunehmenden Infektionen: "Die Zahl der Neuinfektionen steigt noch schneller als in den vorherigen Wellen», sagte er und rief die Bürger eindringlich zum Impfen auf. Dafür gebe es zwei Argumente: Die Impfung schütze zu 90 Prozent vor einer schweren Corona-Erkrankung. «Und: Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte", sagte Braun.

100.000 Neuinfektionen am Tag: Kanzleramtschef mit düsterer Prognose

Seit zweieinhalb Wochen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Sonntagmorgen lag sie zuletzt bei 13,8. Demnach meldeten die Gesundheitsämter dem RKI binnen eines Tages 1387 Corona-Neuinfektionen - vor einer Woche hatte der Wert bei 1292 Ansteckungen gelegen.

Die Infektionszahlen stiegen derzeit jede Woche um 60 Prozent, sagte Braun. Sollte sich die Impfquote nicht enorm verbessern oder sich das Verhalten der Bürger ändern, könne es Ende September jeden Tag 100.000 Neuinfektionen und eine Inzidenz von 850 geben. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor einer Inzidenz von 800 im Oktober gewarnt. Erfahrungsgemäß werden viele Bürger bei so stark steigenden Infektionszahlen allerdings vorsichtiger.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat auf Twitter auf die Prognose von Kanzleramtschef Helge Braun reagiert. "Eine Katastrophe", schrieb der Poliitker am Sonntag. "Wir werden Einschränkungen beschließen müssen" kündigte Lauterbach an und nannte die Bundestagswahl als möglicher Zeitpunkt.

Lauterbach auf Twitter: "Wäre eine Katastrophe"

Mit Winfried Kretschmann, Ministerpräsident aus Baden-Württemberg, bringt nun ein Politiker eine Impfpflicht ins Spiel. Er sieht das Impfen als Bürgerpflicht. Ohne Impfungen werde man die Pandemie nicht in die Knie zwingen können, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Wir fahren weiter auf Sicht. Die Virusmutationen haben uns schon zweimal einen Strich durch die Rechnung gemacht», sagte er. «Treten Varianten auf, gegen die der Impfstoff nicht mehr so wirksam ist - sind wir sofort in einer anderen Situation.» Es gebe keine Entwarnung, so Kretschmann.

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