Bamberg
Kommentar

Der Westen hat Syrien aufgegeben

Es gibt andere Probleme als die Diskussion über die "Mutter aller Probleme".
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Syrische Männer beladen einen Pick-up nahe Idlib. Am Samstag hatten russische Kampfjets und die syrische Luftwaffe die schwersten Angriffe auf Idlib seit einem Monat geflogen. Dazu gab es Beschuss mit Artillerie und Raketen.  Omar Haj Kadour, afp
Syrische Männer beladen einen Pick-up nahe Idlib. Am Samstag hatten russische Kampfjets und die syrische Luftwaffe die schwersten Angriffe auf Idlib seit einem Monat geflogen. Dazu gab es Beschuss mit Artillerie und Raketen. Omar Haj Kadour, afp

In Deutschland schlägt die Diskussion über die Migration als "Mutter aller Probleme" hohe Wellen. Ein Ursprung der Flüchtlingswelle wird hier inzwischen zur Randnotiz degradiert: Mit dem Kampf um die Provinz Idlib steht der Krieg in Syrien vor der Entscheidung. Die syrischen Rebellen bereiten sich in der letzten Hochburg auf ihre Mutter aller Schlachten vor. Aus dem ganzen Land - zuletzt aus Aleppo und Ghouta - sind die Aufständischen nach Idlib zurückgewichen - unter ihnen auch rund 10 000 islamistische Kämpfer.

Fast drei Millionen Zivilisten sitzen als Geiseln in dieser gefährlichen Gemengelage. Ein Pulverfass. Sie leben auf engstem Raum in der Provinz an der Grenze zur Türkei. Die Hälfte von ihnen ist bereits vor Assad dorthin geflüchtet. Weil sich die Menschen nun auch dort nicht mehr sicher fühlen können, droht eine weitere Flüchtlingswelle in Richtung Europa.

Der Westen schaut dem Treiben von Assads Truppen und seiner Verbündeten einmal mehr tatenlos, ja ohnmächtig zu. Das Säbelrasseln Frankreichs, Großbritanniens und der USA, lediglich den Einsatz von Giftgas mit aller Härte zu sanktionieren, erscheint wie ein humanitäres Feigenblatt. Der Westen hat Syrien aufgegeben. Er steht geostrategisch vor einer herben Niederlage. Das syrische Regime, Russland und Iran werden diesen Stellvertreterkrieg gewinnen. Ein erstarkter Assad ist fest entschlossen, mit seinen Verbündeten die letzte Hochburg der Opposition zurückzuerobern. Sein Arm wird damit in absehbarer Zukunft bis direkt an die türkische Grenze reichen. Sein Einfluss wird größer sein als vor dem grausamen, inzwischen sieben Jahre währenden Bürgerkrieg. Zuvor droht vor den Augen des Westens eine weitere humanitäre Katastrophe in Idlib.

f.foertsch@infranken.de



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