Bamberg
Graphic Novel

"Der Process" in neuer Wucht

"DingDiiing", viele "?" und "!" - damit arbeitet das Buch, das aus Frank Kafkas Werk eine ganz eigene Welt erschaffen hat - die recht nah am Original ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
+1 Bild
"Der Prozess" ist wohl Franz Kafkas bekanntestes Werk und es ist zugleich auch eines, das am meisten verwirrt und verstört. Schließlich wird Josef K. ohne Grund verhaftet und in ein Gerichtsverfahren verwickelt, das immer undurchschaubarer wird. Statt zur Aufklärung welcher Anschuldigung auch immer beizutragen, entwickelt sich der Versuch Ks, seine Unschuld zu beweisen, immer mehr zu einem Akt der Verzweiflung.
Chantal Montelliers Illustrationen fangen die düstere, beklemmende Stimmung in der Graphic Novel "Der Process" meisterhaft auf.

Präzise und verwirrend

Die Bilder, die in ihrer Einfachheit präzise und verwirrend zugleich sind, veranschaulichen die absurde, groteske Stimmung des Romans auf ungewöhnliche, aber zugleich sehr passende Art und Weise, lassen die Bilder, die der Leser des Originals im Kopf hat, lebendig werden. Denn die zugehörigen Texte sind lediglich Ausschnitte aus Kafkas Original - verständlich, denn sie können und sollen nur Ergänzungen für die Zeichnungen sein. Der Titelzusatz "nach Franz Kafka" ist daher nur folgerichtig, zwar übernimmt der Autor David Zane Mairowitz beispielsweise den ersten Satz des Romans wörtlich, doch schon die nächste Szene, in der ein Mann, den K. noch niemals gesehen hat, ins Zimmer tritt, wird in der typischen Comic-haften, lautmalerischen Art wiedergegeben und kommt daher auch mit ganz wenigen Worten aus.
Diese Adaption erschafft eine ganze eigene Welt. Sie beweist aber eindrucksvoll, dass Kafkas Wortkunst auch in seiner Verdichtung auf - im Vergleich zum Original - verschwindenden Kürze nichts von seiner Wucht verloren hat und immer noch oder erneut lesenswert ist.

Chantal Montellier und David Zane Mairowitz: Der Process nach Franz Kafka. Knesebeck, 22 Euro