Das Unwort des Jahres 2014 lautet "Lügenpresse". Mit diesem Begriff würden Medien pauschal diffamiert, sagte die Jury-Sprecherin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt. "Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist." "Lügenpresse" wird häufig auf den Demonstrationen der islamfeindlichen "Pegida"-Bewegung skandiert. Die Jury rügte außerdem die Begriffe "Erweiterte Verhörmethoden" und "Russland-Versteher".

Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern, Journalisten und Schriftstellern hatte die Begriffe aus 733 verschiedenen Vorschlägen aus dem In- und Ausland ausgewählt. Insgesamt hatten sich 1.246 Einsenderinnen und Einsender an der Wahl beteiligt.

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 von einer unabhängigen sprachkritischen Initiative gekürt. "Unwörter" waren zuletzt "Sozialtourismus" (2013), mit dem die Flucht von Südosteuropäern aus einer Not zu einer Vergnügungsreise verdreht werde, und "Opfer-Abo" (2012), ein Ausdruck des unter Vergewaltigungsverdachts stehenden Fernsehmoderators Jörg Kachelmann, der Frauen unter den pauschalen Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden. Zuvor waren zu "Unwörtern" gewählt "Döner-Morde" (2011), "alternativlos" (2010), "betriebsratsverseucht" (2009), "notleidende Banken" (2008), "Herdprämie" (2007), "Freiwillige Ausreise" (2006), "Entlassungsproduktivität" (2005) und "Humankapital" (2004).

Die sprachkritische Aktion wurde 1991 vom Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Die Aktion möchte den Blick auf Wörter und Formulierungen lenken, "die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen" und dadurch die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Schlosser war bis 2010 Vorsitzender und Sprecher der Jury. Seit 2011 ist die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt Sprecherin.

Weitere Jury-Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der Journalist Stephan Hebel. Als externes Jury-Mitglied für das Unwort 2014 fungierte die Autorin und Journalistin Christine Westermann.