Berlin
Koalitionsvertrag

Darf Hund "Lima" über die GroKo abstimmen? SPD erzürnt über "Bild"-Bericht

Ein Hund, der in die SPD eintritt und über die GroKo abstimmen darf? Für die "Bild" eine große Schlagzeile, für die SPD ein Verstoß gegen den Pressekodex.
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Das SPD-Logo steht in der Parteitagshalle vor Beginn des SPD-Sonderparteitags.  Foto: Kay Nietfeld/dpa
Das SPD-Logo steht in der Parteitagshalle vor Beginn des SPD-Sonderparteitags. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die SPD wendet sich wegen eines "Bild"-Artikels über den SPD-Eintritt des Hundes "Lima" an den Deutschen Presserat. Die Partei sieht in der Berichterstattung "grobe Verstöße" gegen die Grundsätze journalistischer Ethik, wie die SPD am Dienstag in Berlin erklärte.


In der Kernaussage falsch

Der Bericht mit dem Titel "Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen" sei in seiner Kernaussage falsch, heißt es in der Mitteilung. Zudem habe die Zeitung durch Angaben falscher Identitäten beim Parteieintritt den Pressekodex verletzt.

In ihrer Dienstagsausgabe schilderte "Bild" den Parteieintritt von "Lima", die angeblich 21 Jahre alt ist. Für den Hund wurde noch kurz vor Ablauf der Frist für ein Abstimmungsrecht über die große Koalition die Mitgliedschaft in der SPD beantragt und dem Bericht zufolge dem Antrag auch zugestimmt. In der Folge wurde "Lima" laut Bericht auch zu den Regionalkonferenzen zur Diskussion über den Koalitionsvertrag eingeladen. Zudem erhielt sie die Ankündigung, dass die Unterlagen für das Votum per Post kommen. Die Zeitung stellte für ihren Bericht die Frage, ob beim Votum Manipulationen möglich seien: "'Bild' macht den Test", heißt es darin.


SPD sieht Verletzung des Pressekodexes

Die SPD, die für die Beschwerde beim Presserat den Medienanwalt Christian Schertz beauftragt hat, sieht darin eine Verletzung der Ziffer 4.1 im Pressekodex. Darin heißt es, dass sich Journalisten grundsätzlich zu erkennen geben. Unwahre Angaben über die Identität oder das dahinter stehende Organ seien mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar. Weiter heißt es in der Ziffer, verdeckte Recherche sei im Einzelfall gerechtfertigt, wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.

Die SPD betonte zudem, dass jedes SPD-Mitglied bei der Abstimmung eine eidesstattliche Erklärung zu seiner Identität abgeben müsse. Diese Tatsache unterschlage die "Bild". "Die SPD ist über dieses Vorgehen befremdet", heißt es in der Mitteilung.

Hier gehts zum Bild-Artikel über Lima

Der Deutsche Presserat ist ein Organ der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse. Er prüft Beschwerden gegen Berichterstattung von Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien und kann bei Verstößen gegen journalistische Grundsätze Sanktionen aussprechen, als härteste Form die öffentliche Rüge. Die ethischen Grundsätze sind im Pressekodex formuliert.