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Cannabis

Cannabis auf Rezept: Patienten sind von Reform enttäuscht

Nach der Einführung des neuen Gesetztes zur medizinischen Verwendung von Cannabis gibt es noch immer viele Schwierigkeiten - Patienten sind enttäuscht.
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Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis auf Kassenrezept verfügbar, allerdings gibt es immer noch viele Unklarheiten - vor allem aber jede Menge Wut und Enttäuschung auf Patientenseite. Foto: epd
Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis auf Kassenrezept verfügbar, allerdings gibt es immer noch viele Unklarheiten - vor allem aber jede Menge Wut und Enttäuschung auf Patientenseite. Foto: epd
Gut fünf Monate nach der Einführung des neuen Gesetzes zur medizinischen Verwendung von Cannabis sind viele Patienten von der Umsetzung enttäuscht. "Meiner Erfahrung nach gibt es große Schwierigkeiten", sagte der Stellvertretende Sprecher des Selbsthilfenetzwerks Cannabis-Medizin, Axel Junker, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Gesetz sei bislang "ein Schuss in den Ofen", so sein Urteil.


Konflikten bei Kosten

Konkret berichten Junker und andere Vertreter des Selbsthilfenetzwerks unter anderem von Konflikten bei der Kostenübernahme der Cannabis-Therapie für schwerkranke Menschen durch die Kassen. So sind beispielsweise nach Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) Nordrhein im Bezirk Köln nur 22 von 161 MDK-Gutachten zugunsten einer Kostenübernahme ausgefallen - obwohl es im Gesetz heißt, Kassen sollten nur "in begründeten Ausnahmefällen" die Kostenübernahme für ärztlich verschriebenes Cannabis ablehnen.

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen wies auf Anfrage Kritik an der Begutachtungspraxis zurück. In den Gutachten könne unter anderem zu klären sein, ob andere, dem medizinischen Standard entsprechende, Therapien zur Verfügung stünden oder ob tatsächlich eine schwerwiegende Erkrankung vorliege, erklärte eine Sprecherin. Letztlich obliege es ohnehin den Kassen und nicht den MDK, über die Kostenübernahme zu entscheiden.


Lieferschwierigkeiten

Ein weiteres praktisches Problem liegt in der Lieferbarkeit der meisten Cannabis-Sorten in den Apotheken. Noch bis voraussichtlich September herrsche ein Lieferengpass, bestätigte die Bundesvereinigung der Apothekerverbände dem epd auf Anfrage. Junker schätzt die Zahl der Cannabis-Patienten in Deutschland aktuell auf circa 10.000. Viele von ihnen würden durch den aktuellen Engpass faktisch in den illegalen Selbstanbau von Cannabis getrieben.
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