Die Bundesregierung hat offenbar keine Kenntnis darüber, wie viele Flüchtlinge genau in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland sind. Das geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) hervor. Die Tageszeitung bezieht sich auf ein Schreiben an die Grünen. Dabei handelt es sich um eine Antwort auf die Frage von Renate Künast, die um eine präzise Zahl gebeten hatte.

Auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi bestätigte, dass die Regierung keinen Überblick hat. Angesichts der schleppenden Registrierung sei das "wenig überraschend", sagte sie dem RBB-Inforadio.

Dem Zeitungsbericht zufolge teilte Innen-Staatssekretär Ole Schröder (CDU) mit, dass "keine Gesamtübersicht über die Zahl der in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebrachten Asylbewerber" vorliege. Der Regierung sei auch "nicht bekannt, wie viele Personen von den Erstaufnahmeeinrichtungen auf die Kommunen verteilt wurden.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast sagte der "Süddeutschen Zeitung", jeder habe Verständnis dafür, dass es schwierig sei, die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland zu kennen. Dass die Bundesregierung "aber schlicht gar nicht weiß, wie viele Menschen sich zur Zeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen aufhalten, ist peinlich". Künast stellte die Frage, wie eine "vernünftige Flüchtlingspolitik" gelingen könne, wenn schon die statistische Erfassung nicht einmal im Ansatz klappe.

Fahimi sagte, wegen der fehlenden Informationen seien auch alle Zahlen über Familiennachzug und ähnliches im Moment noch Spekulation. Wichtig sei es, jetzt die beschlossenen Einreisezentren einzurichten. Nur durch die schnelle Registrierung sei Ordnung zu schaffen.

Die SPD-Generalsekretärin warf Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Versäumnisse vor. Es sei ein Rätsel, warum der Minister trotz entsprechender Beschlüsse noch immer nicht dafür gesorgt habe, "dass es zu einer Personalaufstockung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kommt". dvd/dpa