Nürnberg
Weihnachtsmärkte

Budenzauber und Gaumenfreuden

Leuchtende Kinderaugen, bevor das Christkind kommt? Das geht - und zwar dann, wenn Familien einen der vielen fränkischen Weihnachtsmärkte besuchen.
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Er ist wohl der größte und bekannteste fränkische Weihnachtsmarkt - der Nürnberger Christkindlesmarkt.  Auch in diesem Jahr werden wieder mehr als zwei Millionen Besucher erwartet. Ebener/dpa
Er ist wohl der größte und bekannteste fränkische Weihnachtsmarkt - der Nürnberger Christkindlesmarkt. Auch in diesem Jahr werden wieder mehr als zwei Millionen Besucher erwartet. Ebener/dpa

euer fällt vielen Menschen das Umschalten von Sommer auf Herbst und die damit verbundene Adventszeit besonders schwer. Weil der Sommer sehr schön war und lange anhielt. Inzwischen gibt sich das Wetter herbstlicher, die ersten Schneeflocken zeigten sich, die Vorfreude auf den Advent und damit auch auf die Weihnachts- und Christkindlesmärkte holt uns allmählich ein. Und damit geraten auch die Advents- und Weihnachtsmärkte in Franken mehr und mehr ins Blickfeld.

Zu Recht, weil es im Vorfeld der Weihnachtsfeiertage seinen ganz besonderen Reiz hat, den festlich beleuchteten Budenstädten in Frankens Innenstädten einen Besuch abzustatten. Zumal es immer wieder neben den eigentlichen Märkten interessante Zusatzangebote gibt, die einen Besuch lohnend machen.

In Bamberg gibt es da zum Beispiel den berühmten Krippenweg. Die Krippentradition, einst von Jesuiten begründet, hat hier eine 400-jährige Tradition. Vom 30. November bis zum 6. Januar sind an 36 Stationen die verschiedensten Krippen zu sehen. Heuer kann man im Krippenmuseum unter anderem die größte böhmische Glaskrippe der Welt bewundern.

Den größten Krippenweg Deutschlands gibt's allerdings in Neunkirchen am Sand. Der führt vom 30. November bis 6. Januar durch den ganzen Ort zu rund 100 Ausstellungsstücken, angefangen von der Flaschenkrippe bis hin zur Dorfkrippe mit lebensgroßen Figuren.

Von besonderem Interesse für Kinder dürfte der Nürnberger Weihnachtsmarkt sein. Nein, nicht der große auf dem Hauptmarkt, sondern der für Kinder auf dem Hans-Sachs-Platz ganz in der Nähe.

Diese Nürnberger "Kinderweihnacht" bietet den Kleinen neben einem Nostalgiekarussell und einer Dampfeisenbahn auch Mitmachbuden, wo Kinder ihre eben gebackenen Lebkuchen selbst verzieren können. Die Erwachsenen sollten natürlich nicht vergessen, sich auf dem Hauptmarkt neben drei Bratwürsten im Weggla auch mit Elisenlebkuchen einzudecken. Bratwurstspezialitäten gehören selbstverständlich zur kulinarischen Grundausstattung eines jeden fränkischen Weihnachtsmarkts. Besonders hervorheben darf man in diesem Zusammenhang sicher die Märkte in Ansbach und Coburg.

Aber auch in Kulmbach, hier herrscht vom 30. November bis 2. Dezember Marktbetrieb, kann man eine eigene Bratwurstvariante aus feinem Kalbsmett genießen.Hier wird die Wurst in einem "Stölla" - einer mit Anis gewürzten Bratwurstsemmel - genossen. Soweit mit Blick auf die fränkische Kulinarik nur einige Beispiele.

Unter dem Motto "klein, aber fein" lohnt auch immer ein Besuch des Marktes rund um das Wasserschloss Mitwitz (1./2. Dezember).

Für Freunde des Kunsthandwerks und der Töpferei gilt der Töpfermarkt in Thurnau (7. bis 9. Dezember) quasi als Pflichtveranstaltung, weil hier keramische Meisterbetriebe aus ganz Deutschland ihre Produkte anbieten.

Immer noch als Geheimtipp gilt der "Spessarter Adventsmarkt" auf der Bayerischen Schanz in Lohr am Main (30.11. bis 2.12. und 7.12. bis 9.12.) Der etwas längere Anfahrtsweg lohnt sich, weil dieser Markt buchstäblich im Wald stattfindet. Der wird von Hunderten von Kerzen wunderbar illuminiert und bildet besonders für Kinder eine reizvolle Kulisse für Märchenerzählungen, Fackelwanderungen und Planwagenfahrten oder ein Stockbrot am Lagerfeuer.

Ein besonderes Ambiente bietet auch der Dinkelsbühler Weihnachtsmarkt im idyllischen Innenhof des Heilig-Geist-Spitals (29. November bis 23. Dezember). Dort pflegt man noch den alten Brauch des "Christ-Trunks". Gruppen, die an einer Führung teilnehmen, werden auf dem Markt von einem Trompeter begrüßt und erhalten einen kostenlosen Willkommenstrunk. Touristenmagnet Weihnachtsmarkt Mehr und mehr entwickeln sich die Weihnachtsmärkte zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Angaben des deutschen Tourismusverbands zufolge besuchten im letzten Jahr 85 Millionen Menschen die etwa 1500 Weihnachtsmärkte in Deutschland. Ein regelrechter Boom also, ein Geschäft, mit dem man nicht mehr früh genug beginnen kann. Reiseveranstalter haben sich längst auf die Nachfrage eingestellt. Es gibt ganze Adventswochen- endtrips in die Hochburgen von Weihnachtsmarkt-Städten wie Nürnberg oder Rothenburg ob der Tauber. Längst kommen die Gäste aus aller Welt ins Land, insbesondere aus Amerika und dem fernen Osten. Es gibt aber auch viele Tages ausflügler, die per Bus anreisen. Unter der Woche oft Senioren, an den Wochenenden auch viele jüngere Leute. Weihnachtsmärkte boomen eben. Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen sehen diese Entwicklung auch skeptisch. Insbesondere dem immer früheren Start der Märkte, oft schon mitte November, noch vor dem Totensonntag, vermag man nicht viel abzugewinnen. "Weil", so Albrecht Duderstedt, ein Sprecher der evangelischen Kirche, " die Adventszeit so das Besondere verliert." red

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