Der 17 Jahre alte Bruder einer vergewaltigten Frau soll am Oberrhein deren mutmaßlichen Peiniger umgebracht haben. Der Mann sei mit 23 Messerstichen getötet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer am Freitag in Freiburg. Der Ermittler sprach von einem "vorsätzlichen Tötungsdelikt". Der 17-Jährige habe eine "sehr große Wut" auf den später Getöteten gehabt.

Der 27-Jährige war bei der Attacke am Mittwochabend auf einem Parkplatz in Neuenburg am Rhein an der Grenze zu Frankreich ums Leben gekommen. Er soll sich vor etwa einer Woche an der jungen Frau vergangen haben. Die Beamten hatten in der Nacht zum Donnerstag vier Verdächtige festgenommen, darunter der 17-Jährige und der 48 Jahre alte Vater der Geschwister.

Beide kamen in Untersuchungshaft. Zudem habe ein Richter Haftbefehl gegen einen 21 Jahre alten Bekannten erlassen. Dessen Eltern hatten die deutsche Polizei alarmiert. Der Sohn sei nach Hause gekommen und habe von den Ereignissen auf dem Parkplatz berichtet, sagte Kriminaloberrat Michael Granzow. Der 21-Jährige sei "total erschüttert von dieser Tat" gewesen. Der Mann ist laut Polizei ein Freund des Hauptverdächtigen. Der vierte Festgenommene kam wieder auf freien Fuß.

Spektakuläre Fälle von Selbstjustiz

Für die Bestrafung von Verbrechern sind in Deutschland die Gerichte zuständig. Doch manchmal greifen Menschen auch zur Selbstjustiz. Einige spektakuläre Fälle:

Januar 2014 Im Frankfurter Gerichtsviertel werden zwei Männer getötet. Der mutmaßliche Täter gibt als Motiv Rache für seinen toten Bruder an. Er habe von den Gerichten keine Gerechtigkeit erwartet. Der Bruder war 2007 im Streit um einen Parkplatz erstochen worden. Beschuldigt waren die beiden Männer, gegen die nun gerade wieder ein Revisionsprozess lief.

Juni 2009 Ein Rentner entführt seinen Vermögensberater aus Speyer an den Chiemsee und hält ihn tagelang im Keller seines Hauses gefangen. Er fühlte sich um rund 2,4 Millionen Euro geprellt. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Traunstein spricht der Vorsitzende Richter von einem "spektakulären und aufsehenerregenden Fall der Selbstjustiz".

Februar 2004 Ein Russe, der im Juli 2002 bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen am Bodensee seine Frau und seine beiden Kinder verlor, ersticht einen Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide. Er hatte in dem Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht allein im Zürcher Kontrollzentrum im Einsatz war, den Hauptschuldigen der Tragödie gesehen.

März 1981 Die Gastwirtin Marianne Bachmeier erschießt in einem Lübecker Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter. Die Tat der damals 31-Jährigen löst in der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion um Selbstjustiz und den Umgang der Justiz mit Sexualstraftätern aus.