Begrüßungskuss Von Süddeutschland bis zu den Mittelmeeranrainern gilt der Wangenkuss "Bussi", "Bisou" oder "Bacio" als Form der Begrüßung unter Freunden und Familienmitgliedern. Eine Accolade (französisch: Umarmung) ist ein angedeuteter Wangenkuss links und rechts - je nach Region und Land zwei, drei oder viermal.

Zungenkuss Bei diesem erotischen Mund-zu-Mund-Kontakt berühren sich die Zungen der Partner. Im Altertum galt diese intime Berührung als Verschmelzung zweier Seelen. In der Öffentlichkeit ist das auch französischer oder florentinischer Kuss genannte Lippenbekenntnis in Asien unüblich und in einigen muslimischen Ländern sogar verboten.

Karnevalskuss Das "Bützje" ist im rheinischen Straßenkarneval auch auf fremden Wangen völlig normal. Wenn "wilde Weiber" die Rathäuser im Sturm nehmen, wird hemmungslos geküsst.
Menschen mit großen Berührungsängsten wird zu Ekelschminke oder Masken geraten.

Luftkuss Soll Zuneigung eine größere Distanz überbrücken, wird zuerst die Handinnenfläche geküsst. Von dort wird der Kuss symbolisch auch über Straßenschluchten und durch geschlossene Fenster in Richtung des zu Küssenden geblasen.

Handkuss Bei dieser Geste des Respekts und der Ergebenheit verbeugt sich der Herr vor der Dame und deutet auf ihrer Hand eine Berührung seiner Lippen an. Wurde die Hand tatsächlich geküsst, galt das früher in einigen Regionen als Liebesbeweis oder sogar als Heiratsantrag. In Österreich ist "Küss die Hand, gnä' Frau" bis heute als höfliche Begrüßung zu hören.

Bischofskuss In der orthodoxen und katholischen Kirche ist der Handkuss auch bei Geistlichen vom Bischof aufwärts gebräuchlich. Dabei wird der an der rechten Hand getragene Siegelring geküsst. Beim Papst, dem Bischof von Rom, küsst man den Fischerring. Früher musste man auf die Knie gehen, heute reicht eine Verbeugung.

Osterkuss Dieses Zeichen der christlichen Verbundenheit ist bis heute in der orthodoxen Kirche üblich. Zur Feier der Auferstehung des Herrn, Jesus Christus, beschließt der Osterkuss die feierliche Ostermette.

Bruderkuss Über die russische orthodoxe Kirche und russische Revolutionäre wurde aus der Tradition des Osterkusses der sozialistische Bruderkuss im Ostblock. Trafen sich Staatsmänner und Parteigrößen aus der Sowjetunion und verbündeten Staaten, demonstrierten sie damit die "Verbundenheit des sozialistischen Lagers".

Judaskuss Der Jünger Judas Ischariot gab Jesus einen Kuss und verriet ihn mit diesem vorher vereinbarten Erkennungszeichen an die römischen Soldaten. Heute wird mit dem Begriff eine geheuchelte Geste der Zuneigung bezeichnet, hinter der sich eine böse Absicht verbirgt.

Mafiakuss Kaum ein Mafia-Film kommt ohne eine Szene mit einem Todeskuss aus. Dabei nimmt der Pate den Kopf eines Abtrünnigen in die Hände, küsst ihn auf den Mund oder die Wangen und bestätigt damit: Du stehst auf unserer Todesliste.

Vertragskuss In der ausgehenden Antike wurde der traditionelle Begrüßungskuss der alten Römer zu einem juristischen Vorgang. Geschäftspartner besiegelten mit einem offiziellen Kuss einen Vertrag.

Märchenkuss Auch die Gebrüder Grimm konnten nicht auf den märchenhaften Lippenkontakt verzichten. Dornröschen wurde durch den Kuss des Prinzen aus hundertjährigem Schlaf erlöst und Schneewittchen in ihrem gläsernen Sarg vom Königssohn mit einem Kuss aus dem Reich der Toten geholt. dpa