Vorstellungsrunden sind nicht jedermanns Sache. Doch US-Präsident Donald Trump mochte nicht darauf verzichten, als er sein komplettes Kabinett nach fünf Monaten erstmals zusammengerufen hatte. Weil im Weißen Haus immer so viele Leute um den Präsidenten rumschwirren, durfte sich jeder Minister noch einmal brav mit Namen vorstellen. Fast wie in der Schule.
Nur muss kein Schüler auch noch sagen, warum er den Lehrer so großartig findet. Trumps Minister schon. Wie toll das sei, ihm zu dienen. Welch Privileg. So einen fantastischen Chef habe sonst keiner. Der beständige Speichelfluss soll sogar den Wasserstand des nahen Potomac River zeitweise gehoben haben.
So ging das weiter, während der Präsident meist grimmig lächelte und nur auf eine zu schwache Lobhudelei wartete. Hätte einer der Amtsträger "Passt scho" gesagt, wäre er wohl sogleich gefeuert und des Landes verwiesen worden.
In William Shakespeares "Tragedy of King Lear" sollen drei Königstöchter ihren Vater öffentlich lobpreisen, um ans reiche Erbe zu kommen. So ähnlich geht's derzeit in Washington zu. Freilich gibt Lear sein Amt ab und geht einen mühsamen Weg hin zur Selbsterkenntnis, während sein Reich im Chaos versinkt. Trump würde das Stück wohl ein "total disaster" nennen. Und sich weiter loben lassen.