Der Mensch als solcher neigt zum Voyeurismus. Das beginnt in der Sauna, wenn man gut aussehende Menschen schon ein bisschen genauer betrachtet und hört bei schweren Verkehrsunfällen noch lange nicht auf, wenn sich stets auf der Gegenfahrbahn auch ein Stau bildet - weil die Leute extra langsam fahren, um nur ja nicht zu verpassen, was dort auf der anderen Seite vor sich geht. Kein Wunder also, dass Sendungen, die diesen Drang befriedigen, bei der Mehrheit der Fernsehzuschauer hoch im Kurs stehen.

Seit mittlerweile fünf Tagen kann man jeden Abend ab 22.15 Uhr (oder auch rund um die Uhr im Internet) bei Sat.1 dieses niedere Bedürfnis stillen. "Promi Big Brother" zeigt zwölf mehr oder (meist) weniger bekannte Menschen, die sich unter permanenter Kamerakontrolle in ein Haus haben sperren lassen. Davon leben je sechs in einem luxuriösen Teil des Hauses und in einem nur sehr spärlich mit dem Nötigsten ausgestatteten Keller.
"Das Experiment", so der Untertitel der Sendung, besteht darin, dass die Luxus-Bewohner täglich entscheiden, wer aus dem Keller nach oben darf - und die Zuschauer per Telefonvoting, wer nach unten muss. Im Laufe der Zeit müssen immer mehr Kandidaten das Haus verlassen, der Gewinner erhält am Ende 100.000 Euro. So weit, so gut.

Den Begriff "Big Brother" machte einst George Orwell berühmt - mit seinem dystopischen Zukunftsroman "1984", der ein düsteres Bild eines totalitären Überwachungsstaates zeichnet. Ein "Prominenter" ist im allgemeinen Sprachgebrauch jemand, der sich von der Masse der Allgemeinheit abhebt - eine Persönlichkeit, die zumindest in einem bestimmten Personenkreis den meisten bekannt sind. Aber: kann man die "Promi Big Brother"-Kandidaten tatsächlich als prominent bezeichnen? Und, falls ja: Hat es eine "echte" Berühmtheit tatsächlich nötig, nur für die Aussicht auf 100.000 Euro bei solch einem Format mitzumachen?

Möchtegerns und Gescheiterte

Die Antwort ist jeweils nein. Und so tummeln sich im "Big Brother"-Haus nun Möchtegern-Sternchen wie Ex-"Bachelor" Paul Janke und Ex-Bachelor-Kandidatin Ela Tas, die sich von einem Reality-Format zum nächsten hangeln, um am Ende vielleicht einmal tatsächlich berühmt zu werden. Oder zumindest berüchtigt. Dazu kommen noch gescheiterte Existenzen wie Ex-Senator Ronald Schill (Gründer der Schill-Partei und als "Richter Gnadenlos" bekannt), die in ihrem Leben tatsächlich etwas erreicht haben, es nun aber nicht ertragen können, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Schlagersänger Michael Wendler etwa zog erst Anfang des Jahres für RTL in den australischen Dschungel, nur um nach wenigen Tagen das Handtuch zu werfen - und dann seinen eigenen Wiedereinzug ins Camp zu fordern. Das alles fiel übrigens zeitlich mit der Veröffentlichung seines neuen Albums zusammen. Ein Schachzug, der nur allzu leicht zu durchschauen war. Aber das will die Wendlerin jetzt besser machen: Im Keller des BB-Hauses jedenfalls verkündete der Schlager-König selbstsicher: "Ich zieh' das durch." Sollte er am Ende was aus dem Dschungel-Fiasko gelernt haben?

Für den Freizeit-Voyeur auf der Couch gibt es derweil einiges zu sehen: Ela, die in der letzten "Bachelor"-Staffel vor allem dadurch in Erinnerung geblieben ist, weil sie betrunken gegen eine geschlossene Terrassentür gelaufen ist, musste auf einem Feuerwehrschlauch reiten und unter Sand begrabene Bilder von Prominenten freispritzen. Sollte sie drei von vier erkennen, bekommen die "Kellerkinder" eine Belohnung. Besonders pikant: Ela schafft die Aufgabe, erkennt drei von vier - und ausgerechnet den Wendler nicht.

Nackte Haut und Sexsucht

Ex-Porno-Darstellerin Mia-Julia Brückner und Janina Youssefian (bekannt als das "Teppichluder", das Sex mit Dieter Bohlen hatte) sorgen für das nötige Mindestmaß an nackter Haut, und Ronald Schill, der sich selbst als sexsüchtig bezeichnet, hofft auf weitergehende Kontakte zum anderen Geschlecht. Ein Wunsch, mit dem er bei Ela schon mal abgeblitzt ist. Umso größer war die Freude bei dem Ex-Politiker, als er in den Keller durfte - zu Mia und Janina. Letztere hatte bereits seit Tagen gejammert, wie unerträglich es für sie im Keller sei - und wie sie Ronald die Leviten lesen würde, sollte er sich an sie heran machen. Kaum war Ronald allerdings im Keller, schien es dem Unterwäschemodel plötzlich wesentlich besser zu gehen. Nicht nur war vom Leviten lesen nichts zu merken, nein, Janina flirtete auch noch unverhohlen mit Schill.

Die Kandidaten oben bekamen im Gegensatz zu den Zuschauern davon allerdings nichts mit - und wählen Mia und Janina nach oben. Blöd nur, dass die Zuschauer sehr wohl das Widersprüchliche in Janinas Verhalten sahen - und die Brünette keine Viertelstunde später wieder in den Keller wählten. Tja, so läuft das eben mit dem Voyeurismus. Der Zuschauer sieht alles. Und der "Big Brother" verzeiht nichts.