Finale perfekt: Die Ukraine hat beim Eurovision Song Contest (ESC) im italienischen Turin die wichtige Hürde im ersten Halbfinale geschafft. Das Kalush Orchestra erreichte in der Nacht zum Mittwoch (11. Mai 2022) mit seinem Lied "Stefania" zusammen mit neun weiteren Ländern die Endrunde am Samstag.

Insgesamt traten Sängerinnen und Musiker aus 17 Ländern an, nur zehn zogen in das Finale am Samstag ein. Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges wird die Ukraine bei den Buchmachern als Favorit auf den Gesamtsieg gehandelt.

Kalush Orchestra zieht für Ukraine ins ESC-Finale ein

"Wir sind sehr glücklich, dass wir uns qualifiziert haben", sagte Rapper Oleh Psjuk in der nächtlichen Pressekonferenz. "Wir wollen allen danken, die die Ukraine unterstützen." Kalush Orchestra fällt vor allem durch schrille Kostüme auf - die Band zeigt mit ihrer Kleidung aber auch gleichzeitig ihre tiefe Verbundenheit zur Ukraine. Das Gleiche gilt auch für ihre Musik: Eine Mischung aus Hip-Hop und ukrainischer Volksmusik. Dabei kommt auch ein traditionelles Instrument, die Telynka, zum Einsatz.

Durch den Ukraine-Krieg hat der ESC-Beitrag des Landes eine neue Bedeutung erhalten. "Es ist ein Lied über meine Mutter. Manche sehen aber auch die Ukraine als Mutter", erklärt Psjuk. "Unsere Aufgabe beim ESC ist es, die Stimme des ukrainischen Volkes zu sein und über das Leid, das durch die Invasion verursacht wurde, zu berichten." Eine Textzeile aus dem Lied lautet: "Ich werde immer meinen Weg nach Hause finden, auch wenn alle Straßen zerstört sind."

Wie die "Bild" berichtet, müssen die sechs Mitglieder von Kalush Orchestra nach dem ESC-Finale direkt wieder in ihre Heimat zurückkehren - um zu kämpfen. Die Band erhielt für den Wettbewerb eine Sondergenehmigung zur Ausreise, Männer im wehrfähigen Alter dürfen eigentlich seit längerer Zeit nicht mehr das Land verlassen.

Die Kriegsereignisse in der Ukraine haben in diesem Jahr einen starken Einfluss auf den ESC, der nach dem Sieg der italienischen Band Måneskin 2021 in Rotterdam in diesem Jahr von Italien organisiert wurde. Eigentlich soll es beim Grand-Prix hauptsächlich um Musik gehen. Russlands Beitrag wurde schon im Vorfeld vom Wettbewerb ausgeschlossen. Auch Belarus ist nicht dabei. Der ESC 2022 hat so bereits vor Beginn eine stärkere politische Note bekommen als sonst.

mit dpa