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Film-Kritik

Netflix-Softporno "365 Days": Warum der Film absolute Zeitverschwendung ist

Seit Tagen ist die Netflix-Produktion "365 Days" unter den meist gesehenen Filmen des Streaming-Dienstes. Doch warum ist dieser "50 Shades of Grey"-Verschnitt so gehyped, wo er doch absolute Zeitverschwendung ist?
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Der Sex-Film "365 Days" rotiert seit Tagen in den Top-10 des Streaming-Dienstes Netflix. Symbolfoto: andranik123/Adobe Stock Foto: Porno, Sex, Pornographie, Erotik, Liebe, Fernseher Symbolfoto: andranik123/Adobe Stock (282566241)

Seit Tagen gastiert der neue Erotikfilm "365 Days" in den Top-10 des Streaming-Dienstes Netflix. Der "50 Shades of Grey"-Verschnitt hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Kein anderer Film wurde in der vergangenen Woche in den sozialen Netzwerken so heftig diskutiert, wie der Softporno aus Polen. Zahlreiche User schreien förmlich nach einem zweiten Teil. Die Hauptdarsteller Michele Morrone (Massimo) und Anna Maria Sieklucka (Laura) gewannen innerhalb weniger Tage nach der Erstausstrahlung bei Netflix zum Teil mehr als eine Million Follower bei Instagram. Und das, obwohl der Sex-Streifen einfach grottenschlecht ist.

In den sozialen Medien ist "365 Days" ein nicht endendes Gesprächsthema. Die Kommentare mit der Forderung nach einer Fortsetzung und Schwärmereien von den Hauptdarstellern und der Story des Films reißen nicht ab. Doch worum geht es überhaupt? Die Netflix-Produktion, die im Original "365 dni" heißt, beginnt mit einer Szene auf der Mittelmeerinsel Lampedusa. Massimo, der Sohn eines Mafia-Bosses, muss mit ansehen, wie sein Vater erschossen wird. Während einer Nahtoderfahrung sieht Massimo schließlich Laura. Seitdem verfolgt er das Ziel, die hübsche Frau "zu besitzen". 

"365 Days" - oder auch der totale Unsinn

Fünf Jahre später spürt der sizilianische Mafioso die junge Frau aus Polen schließlich auf. Während Laura über ihren Geburtstag im Italien-Urlaub auf Sizilien ist und sich am Abend in einer dunklen Gasse verläuft, schnappt sich Massimo die Frau seiner Träume und entführt sie. Spätestens an diesem Punkt wird der Film unsinnig. Und anschließend noch viel unsinniger. Denn: Der Entführer gibt seiner Angebeteten 365 Tage Zeit (daher der Titel des Films), um sich in sie zu verlieben. Puh!

Noch schlimmer wird es, als Laura, nachdem ihr die Situation klar wird, nicht etwa in Panik verfällt, um Hilfe schreit oder gar wegläuft. Nein, der jungen Frau  scheinen die prekären Umstände auf seltsame Art und Weise auch noch zu gefallen. Laura wirkt angetan, geradezu erregt. Klar, es handelt sich um einen Erotik-Film, doch wo leben wir, dass eine Frau ernsthaft Gefallen daran findet, entführt und gedemütigt zu werden? Frau muss dazu keine Feministin sein, um zu erkennen, wie hanebüchen diese Story ist.

Der machtgeile Multimillionär und Mafioso Massimo nimmt sich was er will. Das kommuniziert er so und wird auch zu Beginn des Films deutlich, als er die Stewardess eines Privatjets zum Oralsex zwingt. "365 Days" will uns als Zuschauer vermitteln, dass das Ganze nicht weiter schlimm ist. Zwar weint die Flugbegleiterin während Massimo ihren Kopf festhält und sie drängt, ihn oral zu befriedigen - da die junge Frau im Anschluss aber lächelt, will doch keiner von sexueller Nötigung sprechen, oder? Unglaublich!

Netflix-Hit 356 Days: Verherrlichung von sexueller Gewalt

Als Laura bewusst wird, wo sie gelandet ist, erklärt ihr Massimo, dass er nichts tun werde, was sie nicht auch will. Dass sie sich jedoch windet, als er ihre Brust antatscht oder in ihren Schritt fasst, während Laura gegen ihren Willen von Massimo gefesselt wurde, scheint dem Super-Macho gänzlich egal zu sein. Das hat auch nichts mit Liebe zu tun, von der der Sizilianer immer wieder spricht. Auch die anderen Spielchen, die Massimo immer wieder mit Laura spielt, sind frauenverachtend. Welche Frau steht ernsthaft darauf, gegen ihren Willen ans Bett gefesselt zu werden und mit gespreizten Beinen dabei zusehen zu müssen, wie der Mann - der sie angeblich liebt - sich von einer anderen Frau oral befriedigen lässt? Das hat auch nichts mit "prüde" zu tun - es ist schlichtweg verachtend. 

Wie sollen derartige Machenschaften dabei helfen, dass sich eine Frau in einen Mann verliebt? Und wie kann es sein, dass Laura plötzlich die sexuellen Übergriffe und die Entführung vergisst, nachdem der heldenhafte Massimo sie aus dem Meer fischt, als sie von Board einer Luxusyacht geht? Diese "Rettung" markiert nämlich den Wendepunkt der schwachsinnigen Geschichte. Als wäre nie etwas gewesen, gibt sich Laura schließlich ihrem Entführer hin und es kommt zu einem wahren Sex-Marathon. Alle Fans von "50 Shades of Grey" und anderen Softpornos kommen an dieser Stelle wohl auf ihre Kosten. Explizite Sex-Szenen. Minutenlang. Und in verschiedensten Stellungen. Wie romantisch: Plötzlich sind Laura und Massimo ein Paar. 

Warum nicht gleich einen Porno schauen?

Die expliziten und glaubwürdigen Sex-Szenen sind wohl der Grund, warum so viele Menschen "365 Days" inzwischen angeschaut haben. Nicht ohne Grund kam in den sozialen Medien häufig die Frage auf, ob die Szenen "echt" seien. Doch bei der windigen Story rund um die Sex-Szenen kann man sich schon fragen, warum man dann nicht gleich einen "richtigen" Porno anschaut!? Warum feiern so viele User in den sozialen Netzwerken die Verherrlichung sexueller Nötigung und Gewalt, Vergewaltigungfantasien und das Stockholmsyndrom? 

Die Auswahl der Filmmusik sowie die Ästhetik, mit der "365 Days" gefilmt wurde, entschuldigen die grottenschlechte Story keinesfalls. Von Anfang bis Ende - also fast zwei Stunden lang - fragt man sich, was das alles eigentlich soll. Die unsinnigen Dialoge, die weltfremde Handlung und das völlig schwachsinnige Ende des Films lassen letztlich nur eine Empfehlung zu: Schaut diesen Film nicht! Verschwendet nicht zwei Stunden eures Lebens mit sinnfreien Machtspielchen, nur um ein paar halbwegs ansehnliche Sex-Szenen zu erhaschen.