Seinen 80. Geburtstag (am 14. März) wird Wolfgang Petersen in seinem Haus in Los Angeles nur klein feiern. Die Corona-Pandemie durchkreuzt alle Party-Pläne, auch die Drehprojekte liegen noch flach.

«Es nervt schon ein bisschen, wenn man so festgenagelt ist, kein Flugzeug mehr besteigen kann, aber das Ende ist ja wahrscheinlich in Sicht», sagt der Regisseur im Telefon-Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Sind Sie in Kalifornien schon gegen das Corona-Virus geimpft worden?

Antwort: Meine Frau und ich haben uns im Dodger Stadium in Los Angeles impfen lassen. Das war eine irre Erfahrung, mit 12.000 Autos, die da pro Tag durch das Sport-Stadion durchgeschleust werden. Man verlässt das Auto überhaupt nicht - man fährt ab der Haustür ins Stadion und dort die Runden, bis man dran ist. Das war eindrucksvoll, wie gut das organisiert wurde, echt toll. Man fühlt sich dann besonders nach der zweiten Impfung so richtig frei.

Frage: Sie haben ein Killer-Virus 1995 auf die Leinwand gebracht. Ist «Outbreak» über eine Ebola-Variante nun wieder im Gespräch?

Antwort: «Outbreak» habe ich Mitte der 90er Jahre mit einer Bombenbesetzung gedreht: Dustin Hoffman, Rene Russo, Donald Sutherland, Morgan Freeman, Kevin Spacey. Durch die Pandemie war der Film bei Netflix plötzlich über Wochen die Nummer eins und alle sprachen von «Outbreak», obwohl der Film vor so langer Zeit gemacht wurde. Viele Leute, mit denen ich darüber redete, hatten schon vergessen, dass er von mir war.

Frage: 1983 waren sie für «Das Boot» für den Regie-Oscar nominiert, zusammen mit vier männlichen Kollegen. Frauen schafften es selten in die Auswahl, ändert sich das nun?

Antwort: Die Auseinandersetzung mit Rassismus, Diversität und der Tatsache, dass Frauen überall unterbesetzt sind, ist nun ja schon länger ein großes Thema. Das verändert das ganze Showbusiness unheimlich, und das ist richtig so. Damals, in «the good old days», da waren es weitgehend alles Weiße und nur Männer. Die Oscar-Akademie war über die Jahrzehnte hinweg mehr und mehr überaltert. Die Welt muss sich verändern und verwandeln.

Frage: Als Mitglied der Oscar-Akademie dürfen sie auch abstimmen. Aber eine große Show wird es Corona-bedingt wohl nicht geben?

Antwort: Das wird leider keine so aufregende Sache sein, leider. Kein roter Teppich, keine Festlichkeiten. Die Oscar-Akademie quält sich da durch. Die Pandemie hat alles wahnsinnig schwierig gemacht und viele Filme bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, denn man will sie doch lieber auf der großen Leinwand sehen. Ich bekomme Screener nach Hause geschickt, aber Filme auf dem Fernseher anzuschauen, ist nicht dasselbe. Das ist nicht meine Welt.

Frage: Haben Sie denn einen Favoriten, mit dem sie gerne nochmal drehen würden?

Anwort: Ich habe «Mank» gesehen und finde Gary Oldman darin ungeheuerlich gut, wie zuvor schon als Churchill in «Die dunkelste Stunde». Wir hatten zusammen «Air Force One» gemacht. Mit Gary Oldman würde ich jederzeit wieder drehen. Er ist absolut einer der Top-Schauspieler, die wir haben. Ich will aber nur einen nennen, sonst werden andere böse, dass ich sie vergessen habe.

ZUR PERSON: Wolfgang Petersen, geboren 1941 in Emden und aufgewachsen in Hamburg, ist einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure in Hollywood. Sein für sechs Oscars nominiertes Kriegsdrama «Das Boot» (1981) war der Startschuss für seine Hollywoodkarriere. Dort drehte er unter anderem «In the Line of Fire» mit Clint Eastwood, «Outbreak» mit Dustin Hoffman, «Air Force One» mit Harrison Ford, «Der Sturm» mit George Clooney und «Troja» mit Brad Pitt.

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