Am Ende singt das Ensemble «I will survive» von Gloria Gaynor: Der neue Liederabend von Franz Wittenbrink «Nicht anfassen! Liebe in Zeiten des Abstands» hat am Donnerstagabend das Publikum im St. Pauli-Theater begeistert.

In dem Musical dreht sich alles um die Corona-Pandemie und die Folgen für die Gesellschaft nach eineinhalb Jahren Lockdown: Da ist die gestresste Mutter (Anneke Schwabe), die gleichzeitig im Homeoffice arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern soll, die einsame Heimbewohnerin, die ihre Enkelin nur durch eine Glasscheibe sehen kann und der ältere Herr (Rainer Piwek), der nun begeistert den Kochlöffel schwingt, um zu den Klängen von «Bad» von Michael Jackson festzustellen: «Ich werd' zu fett!»

Mit Liedern von Oper («La Traviata») über Schlager («Rudi träumt von der Südsee») bis Songs von Tom Waits («I never talk to strangers») schafft es Wittenbrink, die zahlreichen Facetten der Pandemie zu beleuchten. Dabei gibt es einiges zu lachen, zum Beispiel als ein Sprachlehrer (Holger Dexne) den Zuschauern eine aerosolfreundlichere Sprache beibringen möchte, aber auch etliche ernste Töne: Wenn die gestresste Mutter am Ende zur Flasche greift oder die Sehnsucht nach Nähe zwischen einem jungen Paar (Andreas Bongard, Katharina Wittenbrink) aufflammt («Alone together») und die Enkelin (Katharina Wittenbrink) ein Volkslied mit ihrer Oma (Katharina Blaschke) singt.

Getragen wird der kurzweilige Abend von einem hervorragenden Ensemble, dem man die Lust, wieder zu singen und spielen zu dürfen, jede Minute anmerkt. Unterstützt werden die sechs Darsteller von Mathias Weibrich am Klavier und Matthias Pogoda an der Gitarre. Regisseur Wittenbrink hat bereits zahlreiche Liederabende geschaffen, darunter «Sekretärinnen», «Männer» und «Nacht-Tankstelle».

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