Die britische Schlagersängerin Vera Lynn ist im Alter von 103 Jahren gestorben. Das teilte ihre Familie am Donnerstag der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge mit.

Lynn galt im Zweiten Weltkrieg als Sweetheart der britischen Soldaten. Sie starb laut der Mitteilung am Donnerstag im Kreis ihrer Familie.

Erst kürzlich hatte Königin Elizabeth II. (94) in einer Rede an die Nation an einen Song Lynns erinnert, als sie die Briten zum Durchhalten in der Coronavirus-Pandemie aufrief. Die Queen sagte: «We will meet again» (Wir werden uns wiedersehen). Das wurde weithin als Anspielung auf den Megahit Lynns «We'll Meet Again» aus dem Jahr 1939 gedeutet. Der Popsänger Cliff Richard würdigte Lynn als «großartige Sängerin, patriotische Frau und echte Ikone». Premierminister Boris Johnson pries den «Charme und die magische Stimme» der Sängerin. Auf dem offiziellen Twitter-Account von Prinz Charles und Herzogin Camilla wurden Fotos der beiden Royals mit Lynn gepostet.

Geboren am 20. März 1917 während des Ersten Weltkriegs im Londoner East End, sang sie schon mit sieben Jahren in Freizeitclubs für Arbeiter. In den 1930ern nahm sie mit bekannten Bigbands erste Songs auf. Der Zweite Weltkrieg wurde zum Sprungbrett für ihre Karriere; Lynns sentimentale Lieder gegen Heimweh und Alpträume trösteten die britische Kriegsgeneration.

Ab 1941 moderierte die Klempnertochter das nächtliche BBC-Radioprogramm «Sincerely Yours» und verlas persönliche Nachrichten an die Soldaten an der Front. Sie verkörperte das pflichtbewusste nette Mädchen, mit dem sich auch die Frauen daheim identifizieren konnten. Mit Reisen in entlegene Kriegsgebiete verdiente sie sich den Respekt der Truppen. Bis ins hohe Alter hielt sie die Verbindung zu den Veteranen aufrecht.

Nach dem Krieg inszenierte sie ihr Comeback mit «Auf Wiederseh?n Sweetheart» und schaffte es 1951 als erste Britin an die Spitze der amerikanischen Hitparaden. Bis 1992 tourte Lynn in Deutschland, Australien und den USA; dann wurden ihr die Reisen zu beschwerlich. 2014 brachte sie mit 97 Jahren eine Platte heraus und schaffte es in die britischen Top 20 - weltrekordverdächtig.

Malen, Gartenarbeit und Krimis von Agatha Christie hielten sie jung, verriet sie zu ihrem 102. Geburtstag im vergangenen Jahr. Noch im Mai dieses Jahres meldete sie sich zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu Wort und lobte den Mut und die Opferbereitschaft der Kriegsgeneration.