Rund 30 Jahre nach Wende und Wiedervereinigung haben in Berlin mit einem offiziellen Spatenstich die Arbeiten für ein Einheitsdenkmal begonnen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erschien am Donnerstag zu den Feierlichkeiten mit einer Fledermaus aus Stoff - die im Gewölbe unter dem Baugrund überwinternden Tiere waren ein Grund für die lange Verzögerung des Baubeginns. Der Bundestag hatte das Denkmal 2007 erstmals beschlossen.

Grütters erinnerte daran, was die «Sternstunde unserer Demokratie» überhaupt erst möglich gemacht habe: «Der Mut der DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die 1989 entschlossen aufgestanden sind mit dem Anspruch, die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen und die ihres Landes mitzubestimmen.» Das Freiheits- und Einheitsdenkmal erinnere an die Zivilcourage der Menschen, «die ihre Stimme für demokratische Freiheitsrechte erhoben». Die Einheit Deutschlands und ein geeintes Europa wären ohne die «Bürger in Bewegung» Utopie geblieben, sagte Grütters unter Anspielung auf den Titel des Denkmals.

Zum symbolischen Baubeginn waren auch die früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD) erschienen sowie Johannes Milla und Sebastian Letz vom Stuttgarter Architekturbüro Milla & Partner. Kreativdirektor Letz kündigte an, die Arbeiten sollten bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Das Denkmal könne dann voraussichtlich im Frühjahr 2022 seiner Bestimmung übergeben werden.

Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem künftigen Humboldt Forum soll eine riesige begehbare Waage an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern. Das Konzept des 50 mal 18 Meter großen Denkmals erklärt das so: «Wie bei der friedlichen Revolution von 1989 müssen sich die Besucher verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen, um etwas zu bewegen: Wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens 20 Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen. Neue Perspektiven öffnen sich.»

Der Bau verzögerte sich durch einen gescheiterten Wettbewerb, Meinungsverschiedenheiten im Siegerteam und Bedenken von Denkmal- und Tierschützern. Ursprünglich sollte das Denkmal zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im November 2019 eröffnet werden. Der Termin scheiterte an Finanzierungsfragen. 2018 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die notwendigen 17 Millionen Euro für das begehbare Werk, von Kritikern als «Einheitswippe» bezeichnet.