Die documenta fifteen hat am Freitag erste Künstlerinnen, Künstler und Kollektive bekannt gegeben, die auf der Kunstausstellung im kommenden Jahr in Kassel ausstellen werden.

Zu ihnen zählt unter anderem der US-amerikanische Konzeptkünstler und Bildhauer Jimmie Durham, der schon mehrfach auf der Kunstbiennale in Venedig ausgestellt hat und auch in Kassel kein Unbekannter ist. Er war bereits bei der documenta 13 im Jahr 2012 dabei.

Ebenfalls vertreten sein wird Richard Bell, der als einer der politischsten Maler Australiens der Gegenwart gilt. Dabei sind auch die Berliner Comiczeichnerin und Illustratorin Nino Bulling, die philippinische bildende Künstlerin, Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Kiri Dalena, die aus der Türkei stammende und in Berlin lebende Künstlerin P?nar Ö?renci sowie die aus Beirut stammende Künstlerin und Filmemacherin Marwa Arsanios.

Die seit 1955 veranstaltete documenta gilt als die weltweit wichtigste Schau für zeitgenössische Kunst. Die 15. Ausgabe (documenta fifteen) findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 statt.

Zahlreiche der weiteren Namen der Künstlerinnen und Künstler, die exklusiv in der Straßenzeitung «Asphalt» veröffentlicht worden sind, dürften wohl nur ausgewiesenen Kunstexperten bekannt sein. Dazu zählen etwa das Nha San Collective - ein von vietnamiesischen Künstlern geführter Raum für experimentelle Kunst - sowie die Initiative «Another Roadmap Africa Cluster» ? eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Kunst- und Kulturvermittlern, die in Afrika arbeiten.

Die documenta fifteen werde anders, kündigte das Künstlerkollektiv Ruangrupa, das die künstlerische Leitung der Ausstellung innehat, in einem flankierenden Magazintext an. «Sie kommt von unten, wächst, kommt von der Seite, sammelt, vereint. Im Prozess. Kollektivistisch», heißt es darin. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler seien längst «weltweit netzartig und auf Augenhöhe miteinander kreativ». Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH kündigte an, am kommenden Montag (4. Oktober) weitere Details zu den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern nennen zu wollen.

Ruangrupa entwickelt die documenta fifteen angelehnt an die indonesische lumbung-Architektur. «lumbung» ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Im Mittelpunkt steht das Teilen von Ressourcen zum Wohle aller. Diesem Leitbild entsprechend hat Ruangrupa 14 Kollektive, Organisationen und Institutionen aus aller Welt eingeladen, «gemeinsam lumbung zu praktizieren» und den Entstehungsprozess der documenta fifteen zu begleiten. Ein Ergebnis des Prozesses ist die nun veröffentlichte vorläufige Liste.

Ungewöhnlich war auch deren Veröffentlichung: Statt auf einer Pressekonferenz oder auf der Webseite der documenta, ist sie am Freitag exklusiv in der Straßenzeitung «Asphalt» aus Hannover publiziert worden. Das Magazin, das durch wohnungslose oder sozial benachteiligte Menschen im Raum Kassel, Hannover und Göttingen sowie in weiteren niedersächsischen Städten verkauft wird, ist offizieller Medienpartner der Kunstausstellung.

«Asphalt arbeitet sehr ähnlich wie wir. Es geht um Solidarität und gerechte Verteilung», erläuterte Iswanto Hartono von Ruangrupa am Freitag in Kassel. Das Straßenmagazin sei lokal verortet und gleichzeitig überregional vernetzt. Auch wolle man über dieses Medium eine andere Zielgruppe erreichen als über die herkömmliche Tageszeitung. Das aktuelle Magazin ist ab sofort bei den Straßenverkäufern von «Asphalt» erhältlich.

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