Deutschlands Kunstkritiker haben das Bauhaus Museum in Dessau zum «Museum des Jahres» gewählt.

Das 2019 eröffnete Haus halte nicht nur die Erinnerung an das Bauhaus als «bedeutendste Schule für Gestaltung im 20. Jahrhundert» wach, sondern übertrage die Idee des Bauhauses auch «eindrucksvoll in die Gegenwart», teilte die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA mit Sitz in Köln am Montag mit.

«Die mutige Entscheidung, das neue Bauhaus-Museum mitten ins Zentrum Dessaus auf eine gesichtslose Einkaufsstraße zu platzieren, stellt eine geglückte 'Stadtreparatur' dar und trägt wesentlich zur kulturellen Wiederbelebung der im Zweiten Weltkrieg schwer zerbombten Industriestadt bei», urteilten die Kritiker. Dass die Ausstellungs-Konzeption weniger die Werke der Bauhaus-Meister als vielmehr die Lehr- und Lerntätigkeit in den Mittelpunkt stellt, wurde positiv hervorgehoben. Kreative Prozesse statt des Bauhaus-Mythos würden betont.

«Die Arbeiten der Studierenden geben den Blick frei auf das intellektuelle Innenleben der Hochschule. 'Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung' als Titel der musealen Dauerausstellung bringt dies auf den Punkt.» Auch die offene Bühne im Erdgeschoss des Museums hob der Kunstkritikerverband hervor. Neben den Wechselausstellungen stelle sie einen weiteren wichtigen Baustein der «starken Verbindung klassisch-moderner mit der heutigen Kunst dar, die das Bauhaus Museum Dessau auszeichnet». Beispielhaft für die kulturelle Bildung sei die Zusammenarbeit mit 36 Schulen.

Die amtierende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Regina Bittner, teilte mit: «Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung! Dass namhafte Kunstkritiker das noch junge Bauhaus Museum Dessau zum Museum des Jahres 2020 küren, ist eine ganz besondere Würdigung unserer Arbeit.» Das Bauhaus Museum Dessau war Anfang September 2019 eröffnet worden. Der Neubau kostete rund 28,5 Millionen Euro.

Zur «Ausstellung des Jahres kürten die Kritiker «Artists and Agents ? Performancekunst und Geheimdienste» des Hartware MedienKunstVereins in Dortmund. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls beleuchtet die seit Herbst 2019 geöffnete Schau die Interaktion zwischen Geheimdiensten und der Performancekunst, die den kommunistischen Staaten Osteuropas unkalkulierbar, westlich und dekadent erschien. Die Ausstellung ist derzeit noch online zu sehen.

Den Titel «Besondere Ausstellung» bekam das Brücke-Museum Berlin für die Schau «Bonzo?s Dream» mit Werken der in Guatemala lebenden Malerin Vivian Suter. Die 1949 geborene Künstlerin und ihre mittlerweile gestorbene Mutter Elisabeth Wild hätten mit ihren Gemälden für eine Wiederbelebung der Farben und Formen der expressionistischen Brücke-Künstler gesorgt.

In der deutschen AICA-Sektion sind knapp 220 Autoren, Journalisten und Publizisten vertreten. Die drei undotierten Auszeichnungen werden jährlich vergeben. International hat der Verband knapp 5000 Mitglieder.

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