Seit vor fast 30 Jahren die peinliche Actionkomödie «Super Mario Bros.» in die Kinos kam, haftete Videospiel-Verfilmungen lange etwas Negatives an. Zu oft verließen sich die Filmemacher auf den Namen eines erfolgreichen Spiels und versäumten es, in ein gutes Drehbuch zu investieren.

«Double Dragon», «Street Fighter» oder «Doom» waren besonders miserable Vertreter. Aber «Lara Croft: Tomb Raider», die «Resident Evil»-Reihe und «Warcraft» kamen beim Publikum schon deutlich besser an.

Abenteuerliche Schatzsuche

Nun hofft Playstation-Hersteller Sony, mit dem prominent besetzten Action-Abenteuer «Uncharted» einen Kinoerfolg zu landen. «Spider-Man» Tom Holland spielt die Hauptrolle als Nathan Drake, der - zumindest nach eigener Aussage - ein Nachkomme des Weltumseglers und Entdeckers Sir Frances Drake ist. In der Kindheit versucht der Vollwaise mit seinem älteren Bruder eine Schatzkarte zu stehlen. Doch die beiden werden erwischt und sein Bruder flüchtet auf Nimmerwiedersehen.

Jahre später wird Drake von dem mysteriösen Unternehmen Victor Sullivan alias Sully (Mark Wahlberg, «The Fighter») kontaktiert, der angeblich mit Drakes lange verschollenem Bruder zusammengearbeitet hat. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Drake auf ein Treffen mit Sully ein und stellt fest, dass dieser die Schatzkarte besitzt, die er einst rauben wollte - und die angeblich zum verschollenen Gold von Ferdinand Magellan führt. Die beiden machen nun gemeinsame Sache.

Was folgt, ist eine abenteuerliche Schatzsuche in mehreren Etappen. Zunächst müssen sie dem sinistren spanischen Milliardär Moncada (garstig: Antonio Banderas) bei einer Auktion ein antikes Kreuz wegschnappen. Damit geht es auf eine wilde Tour durch Barcelona, die das Duo durch Kirchen und geheime Katakomben führt - und schließlich in einen ganz anderen Teil der Welt, wo sie den Schatz vermuten. Dabei bekommt es das Duo mit Sullys ehemaliger Partnerin Chloe (Sophia Ali) und der skrupellosen Braddock (Tati Gabrielle) zu tun.

Die Actionszenen wirken übertrieben

Um mit seinem durchtrainierten Co-Darsteller mitzuhalten, hat sich Holland für den Film ordentlich ins Zeug gelegt, was er in vielen Szenen mit freiem Oberkörper zeigt. «Das ist definitiv nicht mein normales Ich», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in London. «Aber wenn man mit der Legende Mark Wahlberg arbeitet, ist es wichtig, dass man im Fitnessstudio alles gibt. Ich habe versucht, so viel Masse wie möglich aufzubauen und so viel Kraft wie möglich zu bewahren.»

«Venom»-Regisseur Ruben Fleischer inszeniert «Uncharted» wie ein klassisches Videospiel. Gradlinig geht es von einem Abschnitt der Schatzsuche zum nächsten - wie von einem Level zum anderen. Auch optisch wirkt der Film, der wohl eine Mischung aus «Indiana Jones» und «Mission: Impossible» sein soll, mitunter wie ein Spiel. Denn die visuellen Effekte in den teils maßlos übertriebenen Actionszenen lassen «Uncharted» oft zu künstlich aussehen. Ein etwas schmutziger, erdiger Look wie beim Vorbild «Indy» hätte sicherlich gut getan.

Die Story ist zwar voll von bekannten Klischees und hat einige Längen, sie hält überraschenderweise aber auch ein paar gute Wendungen parat. Und der Showdown ist durchaus spektakulär. Die schwierige Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren ist amüsant. Der hochsympathische Tom Holland - der aufpassen muss, nicht nur noch auf den Typus des netten Jungen festgelegt zu werden - und der coole Tausendsassa Mark Wahlberg bilden ein Duo, dem man gern zuschaut.

Damit hat «Uncharted» (auf deutsch: «auf keiner Karte verzeichnet») mehr zu bieten als manch anderer Kinofilm, dessen Story auf einem Videospiel basiert. Dass man sich an das Action-Abenteuer, das auf mindestens eine Fortsetzung ausgelegt ist, lange erinnern wird, ist trotzdem unwahrscheinlich. Dafür ist der Film dann einfach doch zu belanglos.

Uncharted, USA 2022, 116 Min., FSK ab 12, von Ruben Fleischer, mit Tom Holland, Mark Wahlberg, Antonio Banderas, Sophia Ali, Tati Gabrielle