Gackernde und scharrende Hühner, krähende Hähne und tanzende Elefanten: Stimmen und Bewegungen von Tieren, die Camille Saint-Saëns ursprünglich für ein Faschingsvergnügen im Jahr 1886 komponiert hat.

Ironie der Geschichte: «Le Carnaval des animaux», der Karneval der Tiere, gehört heute zu seinen bekanntesten Werken. Der französische Komponist, Dirigent, Pianist und Musikwissenschaftler ist vor 100 Jahren, am 16. Dezember 1921, auf einer Reise in Algier gestorben.

Die Aufführung von «Carnaval des animaux» mit dem Untertitel «Grande fantaisie zoologique» (Große zoologische Fantasie) hatte er damals offiziell verboten: Er bangte um seinen Ruf. Das fröhliche Stück passte nicht in sein sonst eher ernsthaftes Gesamtwerk. Saint-Saëns hatte die Musik für ein Hauskonzert zum Fastnachtsdienstag geschrieben. Vor allem aber parodierte er darin die Musik seiner Zeit und interpretierte mit Witz und Humor Kompositionen von Jacques Offenbach, Hector Berlioz und Mendelssohn-Bartholdy.

Wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt

In seiner über 70-jährigen Schaffensphase hat der gebürtige Pariser ein beeindruckendes Werk hinterlassen: über 600 Werke, darunter Opern wie «Samson und Dalila», Oratorien, Symphonien, Konzerte für Klavier, Cello und Violine, Chorkompositionen, Kammermusik und ein Requiem. Er hat die Musik zu dem Stummfilm «Die Ermordung des Herzogs von Guise» komponiert und war zu seinen Lebzeiten der meistgespielte Komponist. Wie er selbst sagte, produzierte er Werke so wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt.

Einen Einblick in die Meisterschaft seiner Kunst gibt die zu seinem 100. Todestag erschienene «Camille Saint-Saëns» Edition (Warner Classics). Auf 34 CDs sind bekannte und weniger bekannte Kompositionen eines Musikers zu entdecken, der nicht nur Brahms und Dvorak überlebt hat, sondern auch Mahler und Debussy.

Glühender Wagner-Verehrer

Saint-Saëns hat sich gegen stilistische Trends gewehrt und war ohne jeglichen Dogmatismus. Zur deutschen Musik hatte er ein zwiespältiges Verhältnis. Als glühender Verehrer Richard Wagners führte er dessen Marsch aus «Tannhäuser» erstmals in Frankreich auf und pilgerte mehrmals nach Bayreuth. Später wandte er sich von seinem Idol ab. Seine Unabhängigkeit von Zeit- und Publikumsgeschmack ließ ihn ein heterogenes Werk erschaffen.

Er selbst bezeichnete sich als Eklektiker, der seine Freiheit über alles liebe, wie er einst sagte. «Ein freier Geist» hieß auch die Ausstellung, die die Pariser Oper ihm zu seinem 100. Todestag von Ende Juni bis Anfang Oktober widmete.

Der am 9. Oktober 1835 in Paris geborene Komponist war nicht nur musikalisch ein Wunderkind. Mit zweieinhalb Jahren erhielt er Klavierunterricht. Mit drei Jahren lernte er Lesen und Schreiben, als Dreieinhalbjähriger begann er zu komponieren und mit sieben beherrschte er Lateinisch. Im Alter von zehn Jahren trat er in Paris auf und spielte Mozarts Klavierkonzert No. 4. Er war 17, als er seine erste Sinfonie schrieb. Saint-Saëns wurde zum Komponisten, Dirigenten, Pianisten und Organisten ausgebildet. Einer seiner Lehrer, der Komponist Charles Gounod, bezeichnete ihn als «französischen Beethoven».

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