Salzburg

Zum Jubiläum mit Netrebko, Handke und Domingo

Ein europäisches Friedensprojekt aus dem Geist der Kunst - das war der Leitgedanke vor 100 Jahren. Im Jubiläumsjahr wollen die Salzburger Festspiele erneut Zeichen setzen - auch mit zwei Dirigentinnen.
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Salzburger Festspiele
Das Team der Salzburger Festspiele um Florian Wiegand (l-r), Konzertchef, Helga Rabl-Stadler, Festspielpräsidentin, Markus Hinterhäuser, Intendant, Bettina Hering, Schauspiel-Leiterin, Lukas Crepaz, kaufmännischer Direktor. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Die Salzburger Festspiele wollen 2020 zum 100-jährigen Bestehen starke Signale für Frieden, Menschlichkeit und Toleranz setzen.

Im Zentrum des Programms stehe unter anderem die Hoffnung auf die Veränderbarkeit der Welt durch eine solidarische Gesellschaft, teilten die Festspiele am Mittwoch in Salzburg mit.

So werde mit Luigi Nonos revolutionärer Nachkriegs-Oper «Intolleranza» das «Werk der Stunde» präsentiert, sagte Intendant Markus Hinterhäuser. Das Stück sei eines der gewaltigsten Manifeste für eine neue Welt, in der Recht, Empathie, Nächstenliebe und Toleranz herrscht, so Hinterhäuser. Dirigiert wird das Werk von dem Neue-Musik-Spezialisten Ingo Metzmacher.

Künstlerische Ausrufezeichen sollen vier Neuinszenierungen in der Opern-Sparte setzen. Die Star-Sopranistin Anna Netrebko singt die Titelrolle in der Puccini-Oper «Tosca». Unter den Neuinszenierungen findet sich auch die Mozart-Oper «Don Giovanni» mit Teodor Currentzis am Pult, inszeniert von dem italienischen Multi-Künstler Romeo Castellucci. Sie wurde 1922 als erste Oper bei den Festspielen aufgeführt. Außerdem zeigen die Festspiele die monumentale russische Chor-Oper «Boris Godunow» von Modest Mussorgsky unter Star-Dirigent Mariss Jansons.

Der zuletzt wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe vor allem in den USA in die Kritik geratene Tenor Plácido Domingo wird in einer konzertanten Aufführung der Verdi-Oper «I vespri siciliani» wieder bei den Festspielen gastieren. Zuletzt wurde er in Salzburg trotz der Anschuldigungen, die er zurückgewiesen hatte, umjubelt.

Auf der Theaterbühne folgt mit «Zdenek Adamec» die Uraufführung eines neuen Stücks vom Literaturnobelpreisträger Peter Handke. Darin geht um einen 19-jährigen Tschechen, der sich 2003 aus Verzweiflung über die gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Prager Wenzelsplatz anzündete. Das lang geplante Projekt biete eine ideale Gelegenheit, sich mit dem dramatischen Werk Handkes, der wegen seiner Haltung im Jugoslawien-Konflikt zuletzt wieder scharf kritisiert wurde, auseinanderzusetzen, meinte die Schauspiel-Chefin Bettina Hering.

Die zentralen Rollen im «Jedermann» in der Inszenierung von Michael Sturminger spielen Tobias Moretti und die Burgschauspielerin Caroline Peters als neue Buhlschaft. Höhepunkt der Festspieltage soll der 22. August sein, der Tag, an dem 1920 der Festspiel-Dauerbrenner erstmals auf dem Salzburger Domplatz aufgeführt wurde. Neben einem «Jedermann»-Volksfest in der Altstadt wollen viele ehemalige und aktuelle Darsteller das Stück um das Sterben eines reichen Mannes in einer szenischen Lesung präsentieren.

Zur Eröffnung der Ouverture spirituelle, die als Auftakt mit geistlicher Musik den Festspielen vorausgeht, dirigiert die junge litauische Dirigentin Mirga Grazinyte-Tyla Benjamin Brittens monumentales «War Requiem». Als zweite Dirigentin wird die an der Nürnberger Oper engagierte Joanna Mallwitz mit den Wiener Philharmonikern die «Zauberflöte» musikalisch leiten.

Roter Faden im Konzert-Programm ist Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag im nächsten Jahr gefeiert wird. So wird der Pianist Igor Levit einen Zyklus aller Beethoven-Klaviersonaten interpretieren. Ricardo Muti wird eine Aufführung der 9. Symphonie mit den Wiener Philharmonikern dirigieren. Neu ist das Format Moment Musicaux mit Inhalten, die als Überraschung erst während der Konzerts bekannt gegeben werden.

Insgesamt bieten die Festspiele in 44 Tagen 222 Aufführungen an 15 Spielstätten. Das inzwischen größte Musik- und Theaterfestival der Welt war 1920 von Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss gegründet worden. Sie hätten Salzburg bewusst als Ort ausgewählt «weit entfernt von den Zerstreuungen einer Großstadt», sagte die Präsidentin der Festspiele, Helga Rabl-Stadler. In der Saison 2019 besuchten 270.000 Kulturfreunde die Vorstellungen.