Salzburg

Valery Tscheplanowa als «Jedermanns» Buhlschaft

Es ist das größte Musik- und Theaterfestival weltweit. Die Salzburger Festspiele beginnen mit einer neuen Besetzung der Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel «Jedermann».
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Valery Tscheplanowa
Valery Tscheplanowa (M) als Buhlschaft in «Jedermann». Foto: Barbara Gindl/AP

Die Jedermann-Rufe und das Glockenläuten am Beginn sind immer noch etwas ungewohnt. Sie verkünden den nahen Tod des reichen Mannes und waren bis zu Michael Sturmingers Neuinszenierung von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel immer erst in der zentralen Bankettszene zu hören.

Ungewohnt ist auch das neue Outfit der Buhlschaft: Jedermanns Geliebte trägt bei der diesjährigen Premiere des Traditionsstücks am Samstagabend zur Eröffnung der Salzburger Festspiele einen durchbrochenen, fast durchsichtigen Hosenanzug. Und die gebürtige Russin Valery Tscheplanowa, die erstmals in der Rolle agiert, ist auch kein fesches Festspiel-Girl, sondern eine emanzipierte Frau mit rauchiger Stimme, mehr Vamp als Weib.

Der Hype um die Buhlschaft ist in den vergangenen Jahren etwas abgeklungen. Zwar wird noch pflichtgemäß darüber berichtet, was Jedermanns Lebensabschnittsgefährtin diesmal trägt, aber es wird zugleich darauf hingewiesen, dass es sich bei der Buhlschaft eigentlich um eine sehr kleine Nebenrolle handelt. In der diesjährigen Premiere der Wiederaufnahme von 2017 darf Tscheplanowa ihrem Jedermann noch ein zusätzliches Ständchen singen, mit rauchiger Stimme im Stil der zwanziger Jahre. Später schlüpft sie noch in das knallrote Buhlschaft-Gewand.

Sturminger hatte 2017 den bisher modernsten «Jedermann» kreiert und den Text gekürzt und umgeschrieben. Tobias Moretti spielt ihn etwas fahrig und weinerlich im Investmentbankermilieu. Bei einer Party an modischen Stehtischen ereilen ihn Wahnvorstellungen, Vorboten einer tödlichen Krankheit. Das ist alles ziemlich prosaisch, doch «Jedermann» auf dem magischen Domplatz ist ein unverwüstliches Stück. Und schließlich geht es ja auch um ein zeitloses Thema: den Tod, der jeden jederzeit treffen kann: «Da ist Geselligkeit am End».

Den Sensenmann gibt Peter Lohmeyer gewohnt souverän als punkig-androgynes Mischwesen mit Körperbemalung und Stöckelschuhen. Neu im Ensemble ist dieses Jahr neben Tscheplanowa auch Gregor Bloéb. Morettis Bruder gibt «Jedermanns guten Gesell» als öligen Adlatus und spielt auch den «Teufel», bleibt dabei aber etwas blass. Moretti selbst hatte das von 2002 bis 2005 in Christian Stückls noch recht klassischer Inszenierung bedeutend besser drauf.