Essen

«Neue Welten» im Museum Folkwang

Folkwang-Direktor Peter Gorschlüter hat sein Museum umgeräumt. Doch keine Sorge: Renoirs «Lise mit dem Sonnenschirm» und andere Hauptwerke großer französischer Maler werden weiterhin prominent gezeigt. Sortiert ist die ständige Sammlung jetzt nach Themen.
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Sammlung "Neue Welten"
"Stillleben mit Affodillen" 1907 von Henri Matisse (r), ein Bild ohne Titel 1954 von Mark Rathko (2.v.l), das Bild "Skala" 1966 von Kenneth Noland (l) und die Skulptur "Das eherne Zeitalter" 1880 von Auguste Rodin. Foto: Roland Weihrauch

Nackt und schutzlos, die Hände abwehrend vor Oberkörper und Gesicht: Mit Rodins lebensgroßer Bronzeskulptur «Eva» aus dem Jahre 1881 beginnt im Museum Folkwang in Essen die neue Präsentation der renommierten Sammlung. «Prometheus Bound» ist der erste Raum betitelt, benannt nach dem düsteren Gemälde von Barnett Newman direkt hinter der Eva. Raumthema ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Schöpfungsmythen und dem Ursprung der Zivilisation.

In insgesamt 24 thematischen Räumen zeigt das Folkwang künftig seine Schätze, darunter viele Hauptwerke von van Gogh, Cézanne, Gauguin und deutschen Expressionisten. Ganz bewusst werden die Werke nicht mehr chronologisch geordnet. «Uns geht es darum, die Sammlung zu aktivieren und in immer neuen Konstellationen zu zeigen», sagt Direktor Peter Gorschlüter am Dienstag. Ziel sei es, den Besuchern einen neuen Zugang zum Zusammenhang von Kunst und Leben zu ermöglichen. Die Neupräsentation steht unter der Überschrift «Neue Welten». Zum offiziellen Start am Freitagabend gibt es ein 24-Stunden-Bürgerfest. Der Eintritt ist frei.

Gezeigt werden jüngste Erwerbungen, kaum oder noch nie gezeigte Arbeiten sowie die Meisterwerke der Sammlung, insgesamt 578 Werke. «Malerei und Fotografie, Skulptur und Grafik, Weltkunst und Plakat treten in Dialog miteinander und verbinden sich entsprechend der Folkwang-Idee zu einer Einheit der Künste», sagt Gorschlüter.

Die Lieblingswerke vieler Besucher sind weiterhin zu sehen: Paula Modersohn-Beckers «Selbstbildnis mit Kamelienzweig», Max Liebermanns «Papageienmann» oder Claude Monets «Seerosenteich» etwa. Und will der Direktor mal was anderes zeigen, reicht ein Gang durchs Magazin: Dort lagern weitere 800 Gemälde, 65 000 Fotos und 12 000 Grafiken, von den 350 000 Plakaten des Deutschen Plakat Museums ganz zu schweigen.

Funktioniert die thematische Zuordnung? Ja. Im ersten Raum ist bei «Eva» die Schlange nicht weit: Sie hängt an der Wand. «Natternkopf» heißt die Fotografie (1925) von Albert Renger-Patzsch. Und sie liegt auf dem Boden: Eine undatierte Steinskulptur aus Südamerika stellt eine eingerollte Schlange dar. Noch zwei weitere hochkarätige Gemälde - Beckmanns «Perseus» (1941) und Delacroix' «Le lion et le serpent» (1856) - passen zum Thema. Ein Wandtext erklärt die Zusammenhänge. Wer noch mehr wissen will, greift zur kostenlosen Museums-App, liest dort nach oder hört sich weitere Infos an.

Stichwort kostenlos: Seit vielen Jahren finanziert die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung den freien Eintritt in die ständige Sammlung. Nur für die Sonderausstellungen müssen Besucher bezahlen. Der Eintritt für lau ist attraktiv: Im Schnitt besuchen jedes Jahr rund 200 000 Menschen das Museum.

«Das Museum soll ein Ort des Austauschs und Erlebens, der Begegnung und Wahrnehmung sein», sagt Gorschlüter. Dazu passt das geplante Rund-um-die-Uhr-Bürgerfest mit Popkonzert auf der Museumswiese sowie DJ-Sets bis in die frühen Morgenstunden. Angeboten werden auch Kuratoren- und Taschenlampenführungen, «Late Night Lectures» sowie «Artist Talks».