San Francisco

Ed Hardy geht unter die Haut - große Museumsschau

Der Kalifornier Ed Hardy gehört zu den berühmtesten Tattoo-Künstlern der Welt. Nun hält er Einzug in das de Young Museum in San Francisco. Die erste Retrospektive seiner Kunst führt nach Japan und zu Dürer.
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Ed Hardy
Künstler Ed Hardy: «Deeper than Skin» (Tiefer als Haut) ist die erste Retrospektive des umfassenden Werkes des Meisters, der Tätowierungen zu populärer Kunst machte. Foto: Barbara Munker
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Ed Hardy ist ein wandelndes Kunstwerk. Seine Body-Art hat der kalifornische Tattoo-Künstler allerdings dezent unter einem rosa Hemd und einem blauem Anzug versteckt. Nur am Hals des 74-Jährigen schaut der Flügel eines tätowierten Falken hervor.

Der Leiter des renommierten de Young-Museums in San Francisco, Thomas P. Campbell, stellt Hardy als den «Paten der Tätowierungen» vor. Die an diesem Wochenende eröffnete Ausstellung «Ed Hardy: Deeper than Skin» (Tiefer als Haut) ist die erste Retrospektive des umfassenden Werkes des Meisters, der Tätowierungen zu populärer Kunst machte. «Das ist irgendwie ein Stück Ehrenrettung», sagt Hardy mit Augenzwinkern der Deutschen Presse-Agentur. «Tattoos sind eine seriöse Ausdrucksform und mittlerweile auch als Kunstform anerkannt», freut sich der 74-Jährige.

Gestochene Körperverzierungen schaffen es selten in Kunstmuseen, doch das de Young widmet dem Tattoo-Künstler gleich sechs Räume mit über 300 Zeichnungen, Drucken, Gemälden und Objekten aus Hardys langer Schaffensphase. Die ersten Skizzen sind mit Kreidestiften gemalte Tattoos, die er als Zehnjähriger in Südkalifornien für wenige Cent an Klassenkameraden verkaufte und auch deren Rücken und Arme mit Stiften verzierte.

Als junger Kunststudent in San Francisco schuf Hardy 1967 eine Radierung, die ihn selbst mit einem komplett tätowierten Oberkörper zeigt. Der vielsagende Titel: «Future Plans» (Zukunftspläne). Damals hatte der Druckkünstler erst wenige Tattoos, aber schon große Ziele.

Ein Stipendium an der renommierten Yale-Universität ließ er platzen, stattdessen ging er als erster westlicher Tattoo-Künstler nach Japan und dort bei traditionellen Irezumi-Meistern in die Lehre. «Die japanische Kultur und Buddhismus waren der wichtigste Einfluss auf meine Kunst und mein Leben», erzählt Hardy der dpa. Auch Künstler wie Goya, Rembrandt und Dürer hätten ihn inspiriert.

Oft mischt Hardy asiatische Kunst mit Americana-Motiven. In der Farblithografie «Surf od Die» lässt er einen roten Teufel auf einem Drachen in einer Welle reiten. Es wirkt wie eine Hommage an den japanischen Maler und Holzschnittmeister Katsushika Hokusai (1760-1849), der für seine filigranen Wellen, Berge und speiende Drachen berühmt war. Hardy malte seine Tiger, Schlangen, Drachen und Herzen nicht nur auf die Haut seiner Kunden, er verzierte auch Boogie-Boards und Porzellanvasen.

Besucher spazieren an einer über 150 Meter langen Installation vorbei. Für «2000 Dragons» hat Hardy auf Tyvek-Kunststoff mit Acryl seine wilden Tiere, Landschaften und Visionen gemalt.

Hardy war Mitte der 1970er Jahre der erste Star-Tätowierer in den USA, der den Kunden in seinem Shop in San Francisco nicht vorgefertigte Designs, sondern persönliche Motive verpasste. Hardys Kunstfertigkeit sprach sich schnell herum. Schauspieler wie Peter Coyote aber auch Hells-Angels-Rocker legten sich unter seine Nadel. 

Kult-Status erreichte Hardy schließlich durch den französischen Designer Christian Audigier, der 2004 unter dem Label «Ed Hardy» dessen wilde Tattoo-Entwürfe auf T-Shirts, Taschen und Mützen druckte. Promis wie Heidi Klum, Madonna oder Mick Jagger ritten auf der Welle der Anzieh-Tattoos mit.  

Zuvor habe sie Tätowierungen nicht als Kunst betrachtet, räumt die Kuratorin Karin Breuer ein. Doch nach ihrer Zusammenarbeit mit Ed Hardy sei sie überzeugt. «Es hat mir die Augen geöffnet, was für ein kulturelles Phänomen Tattoo-Kunst geworden ist.» Hardy habe ganz früh die Liebe für die feine Linie entdeckt, ähnlich wie Albrecht Dürer in seinen frühen Gravuren, sagt Breuer. 

Hardy glaubt, dass die Ausstellungsbesucher «angenehm überrascht» sein werden, eine «riesige Untergrund-Kultur unserer Spezies» zu entdecken. «Für mich ist Tattookunst ein Ausdruck von Lebendigkeit, hier und jetzt eine Aussage zu machen», sagt der Künstler. Es sei kein Kunstwerk für die Ewigkeit. «Man kann sich kein Tattoo stechen lassen und hoffen, in 500 Jahren im Louvre zu sein», lacht Hardy.

Für tätowierte Museumsgänger gibt es einen besonderen Anreiz, die Show zu besuchen. Wer am ganzen Körper Tattoos hat, muss keinen Eintritt zahlen. Den Arm in ganzer Länge verziert halbiert den Preis, eine einzelne Tätowierung bringt immerhin fünf Dollar Nachlass.