London/Berlin

«Definitely Maybe»: Oasis-Debüt erschien vor 25 Jahren

Vor einem Vierteljahrhundert begann der Oasis-Ära. Doch schon längst können die Gallagher-Brüder überhaupt nicht mehr miteinander. Was sagen die beiden Streithähne heute? Eine Legende - zwei Begegnungen.
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Oasis
Oasis 1997 in der Sendung «Top Of The Pops». Foto: Hanson/EPA
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Die Geschichte von Oasis dauert gerade einmal anderthalb Jahrzehnte. Von Mitte der 90er bis Ende der Nullerjahre unterhalten Noel Gallagher und sein jüngerer Brüder Liam die Welt mit ihren Songs - und einer mächtigen Portion Zwietracht.

Am Donnerstag vor 25 Jahren (29. August 1994) stand mit «Definitely Maybe» das erste Oasis-Album in den Läden. Es wird das bis dahin bestverkaufte Indie-Debüt in Großbritannien. Bezeichnend ist, dass Frontmann Liam im ersten Song wie ein Mantra «I'm a Rock 'n' Roll Star» wiederholt, als wolle er in unübertroffener Selbstsicherheit gleich klarmachen: In den elf Songs der Platte steckt mächtig gute Gitarrenmusik. Und in dem, was in den Jahren danach kommt, sowieso.

«Ich kann mich daran erinnern, dass ich damals echt stolz war», sagt Sänger Liam Gallagher (inzwischen 46) im Sommer 2019 im Interview der Deutschen Presse-Agentur über das Debüt. Er sitzt in Berlin - Noel Gallagher (52) hingegen kommt 1000 Kilometer weiter westlich in London zum dpa-Gespräch. Fragen nach dem jüngeren Bruder beantwortet der Gitarrist nicht. Die Distanz zwischen den beiden könnte kaum größer sein.

«Wir haben unser eigenes Ding gemacht», sagt Noel über die damalige Zeit. «Aber weil wir die größte Band von allen waren, wurden wir mit in die Britpop-Schublade gesteckt.» Beim Treffen ist er manchmal gelangweilt, zuweilen etwas arrogant. Er scheint sich einen Spaß aus seinem Ruhm zu machen.

Aber er ist eben auch derjenige, der für den Erfolg von Oasis hauptverantwortlich war. Superhits wie «Don't Look Back In Anger», «Wonderwall», «Supersonic», «Live Forever» oder «Stop Crying Your Heart Out» stammen aus seiner Feder. Angesprochen auf sein Songwriting sagt Noel: «Ich erlaube der Brillanz, sich über mich zu ergießen. Meistens tut sie das.»

An Selbstbewusstsein hat es den Gallaghers nie gemangelt. Da traf ein ums andere Mal Ego auf Ego. Sie machten nie einen Hehl daraus, dass sie sich nicht ausstehen können. Der Jüngere - auch nicht auf den Mund gefallen - musste etwa bis zum Oasis-Album Nummer fünf («Heathen Chemistry») warten, bis Noel überhaupt erlaubte, dass auch mal einer von Liams Songs als Single ausgekoppelt wurde.

«Wir waren meiner Meinung nach die wichtigste Band der 90er Jahre», sagt Liam Gallagher heute. «Wichtiger als The Verve, Blur, Radiohead, die verdammten Suede oder Pulp.» Was ihn aber wurmt: Oasis seien zwar groß in England gewesen, aber nie weltweit - so wie etwa U2 oder Coldplay. «Ich dachte, wir werden ein ganzes Stück größer.»

Doch größer werden ist seit 2009 nicht mehr drin. Zwar gab es schon davor immer wieder Streit - teils amüsant, teils nur peinlich. Doch diesmal platzt Noel endgültig der Kragen: Er könne nicht länger mit Liam zusammenarbeiten. Minuten vor einem geplanten Auftritt schmeißt er hin und lässt den Bruder und die anderen Bandmitglieder zurück. Von «verbalen und gewalttätigen Einschüchterungen» ist die Rede. Praktisch genau 15 Jahre nach Veröffentlichung von «Definitely Maybe» geht damit eines der erfolgreichsten Kapitel der jüngeren Musikgeschichte zu Ende.

Nach eigenen Angaben will die Band weltweit bis heute mehr als 70 Millionen Alben verkauft haben. Alle sieben Studioalben stiegen an die Spitze der britischen Charts. Der Zweitling «(What's The Story) Morning Glory» von 1995 mit den Mega-Hits «Wonderwall» und «Don't Look Back In Anger» gehört zu den fünf bestverkauften Platten aller Zeiten auf der Insel.

Wie wichtig Oasis noch immer in ihrer Heimat sind, zeigt sich acht Jahre nach der Auflösung. Unmittelbar nach dem islamistischen Terroranschlag in Manchester 2017 mit fast zwei Dutzend Toten bietet ihre Mitsing-Hymne «Don't Look Back In Anger» musikalischen Zusammenhalt. Ihre berühmten Söhne schenken der Stadt mit dem alten Lied ein wenig Trost - einen gemeinsamen Auftritt gibt es aber nicht.

Seit dem Ende der Band konkurrieren die Gallaghers musikalisch aus der Ferne miteinander. Der Name zieht immer noch: Sowohl Noels erstes Album mit seiner neuen Band, den High Flying Birds, als auch Liams Solo-Platte von 2017 gehören zu den zehn erfolgreichsten Durchstarter-Debüts des aktuellen Jahrzehnts in Großbritannien.

Dass die Brüder wieder zusammenfinden werden, scheint derzeit aber unwahrscheinlich. Vor zwei Jahren meinte Liam noch, dass er viel lieber eine neue Oasis-Platte aufgenommen hätte. Vor dem Start seines zweiten Albums «Why Me? Why Not.» ist er nun aber ernüchtert: «Die Sache mit Noel ist derzeit wohl schlimmer, als sie es jemals war.»

Von Oasis bleiben also erstmal nur die Musik, Andenken, Aura. Oder, wie es Liam zusammenfasst: «Wie hatten großartige Songs, eine starke Attitüde und große Klappen.»