Wien
Skandal

Andreas Gabalier ätzt gegen kritische Medien - Volksmusiker mit Eklat auf Konzert

Andreas Gabalier hat bei einem Konzert in Wien österreichische Zeitungen an den Pranger gestellt. Der Rocker aus der Steiermark ledert dabei gegen kritische Berichterstattung der Medien.
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Andreas Gabalier ist für kontroverse Aussagen bekannt. Foto: Sepp Pail/SWR
Andreas Gabalier ist für kontroverse Aussagen bekannt. Foto: Sepp Pail/SWR

Eklat bei Andreas Gabalier-Konzert: Einer der bekanntesten Musiker aus Österreich, Andreas Gabalier, hat sich auf einem Konzert in Wien zu prekären Aussagen hinreißen lassen. Der 34-jährige Rocker griff zum Abschluss seiner Hallentournee Journalisten zweier Zeitungen aus Österreich an. Die Medien kurier.atund krone.at berichteten zuletzt über den Ausreißer Gabaliers.

Andreas Gabalier stellt Zeitungen an den Pranger

Vor 14.500 Zuschauern sagte Gabalier: Weil "ganz Wien heute in Tracht zum Gabalier gegangen ist", wären die Redakteure der Zeitungen "Der Standart" und "Falter" undercover im Publikum. Ihr Auftrag: Sie sollen "verheerende Geschichten" schreiben. Deren Chefredakteure hielten Nichts von Traditionen und christlichen Festen und hätten an Heiligabend Nichts zu tun. Deshalb könnten sie als "Ochs und Esel" in seiner Weihnachtskrippe auftreten.

Fake-News? Gabalier mit vernichtender Kritik an Medien

Gabalier fühle sich durch die kritische Berichterstattung der genannten Medien "ins rechte Eck gedrängt". Die beiden Zeitungen gelten in Österreich als linksliberal. Laut kurier.at lobt Gabalier sein Publikum dafür, dass es sich "eine eigene Meinung bildet".

Applaus, jedenfalls im Internet, bekam der steierische Rocker vom FPÖ-Abgeordneten Leo Kohlbauer. Der postete folgendes Video auf Twitter und kommentierte: "#Andreas Gabalier grüßt d. Journalisten von derstandart.at und falter.at in der Stadthalle. An d. beiden unchristlichen d. bestimmt am 24. 12 Zeit haben, bei ihm daheim wird noch ein Ochs und ein Esel für d. Krippe gesucht! Besser kann man es nicht auf d. Punkt bekommen! #chapeau"

Florian Klenk, Chefredakteur von "falter.at" meldete sich nach dem Konzert auf Twitter zu Wort: Er finde, Gabalier sollte in die Falter Redaktion zu einem zünftigen Streitgespräch kommen. Er ziehe auch sein kariertes Hemd dazu an. Schließlich sendete Klenk noch eine empfindliche Spitze: "Aber das traut er sich nicht."

Die taz hat bei Florian Klenk nachgefragt, ob es mittlerweile zu einem Gespräch gekommen sei. Dieser habe aber noch nicht darauf reagiert. "Wir laden ihn herzlich ein und wollen uns gerne mit ihm über Musik, Tradition, Heimat und den Missbrauch des Dirndls durch Demagogen unterhalten. Er hat den Mund ja ganz schön voll genommen", so Klenk.

Klenk legte noch einmal nach: "Wir bedanken uns bei Gabalier für seine Marketingmaßnahme. Jetzt ist er hinter dem Innenminister Zweitbester in der Abo-Abteilung."

Gabalier-Kritik: Klenk spielt auf Mail aus Innenministerium an

Florian Klenk meint damit eine E-Mail aus dem Innenministerium Österreichs. Inhalt: Eine Warnung an die Polizei vor bestimmten Medien und eine Empfehlung die Zusammenarbeit mit bestimmten Zeitungen auf ein Minimum zu reduzieren. Darin enthalten sind Passagen wie: "Leider wird wie eh und je seitens gewisser Medien (zum Beispiel "Standart", "Falter") sowie neuerdings auch seitens des "Kuriers" eine sehr einseitige und negative Berichterstattung über das BMI beziehungsweise die Polizei betrieben."

Der österreichische Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wehrte sich im Nachgang gegen die Vorwürfe. Er sei weder Auftraggeber noch Empfänger der Mail gewesen. Er fügte hinzu, dass es sich dabei außerdem nur um Anregungen "ohne jeden Verbindlichkeits- oder gar Weisungscharakter" handle. tu

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