Der Psychiater und Buchautor Dr. Manfred Lütz fordert die Absetzung des TV-Formats "Germany's next Topmodel". Die Sendung könne junge Mädchen in die tödliche Krankheit Magersucht treiben, erklärt er der "Bild". Der 61-Jährige reagiert damit auf die Veröffentlichung einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI): 241 sich wegen einer Essstörung in therapeutischer Behandlung befindende Menschen - vorwiegend Mädchen und junge Frauen - wurden gefragt, ob beziehungsweise welche TV-Sendungen ihre Krankheit beeinflussen würden. 70 Menschen gaben an, dass die Model-Sendung "sehr starken Einfluss" auf sie habe.

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Dass Heidi Klums "Germany's next Topmodel" ein scheinbar feststehendes, aber tatsächlich unrealistisches Schönheitsideal transportiert, dürfte den meisten klar sein. Welche Aspekte an dem Format aber konkret "ungesund" sind, hat die Studie mit dem Titel "Dafür muss ich nur noch abnehmen" anhand der Antworten der Befragten aufgeschlüsselt.

Normalfall gutes Aussehen

Fakt ist: Im Model-Format "Germany's next Topmodel" geht es vordergründig um Äußerlichkeiten. Die Sendung inszeniere aber ausschließlich körperliche Ausnahmeerscheinungen junger Frauen, die mindestens 1,72 Meter messen und höchstens Konfektionsgröße 36 tragen würden. Somit entstehe das Gefühl, "es gibt so viele tolle, dünne disziplinierte Mädchen, die damit etwas erreichen und vor allem toll aussehen", zitiert die Studie eine 17-Jährige Magersüchtige. Gutes Aussehen als Normalfall - so laute die daraus resultierende Logik.

Fehlende Willensstärke hat Schuld

"Dann wünscht man sich, genauso wie diese Mädchen auszusehen, und ist gleichzeitig auch irgendwie sauer auf sich selbst, nicht diese Willensstärke zu haben oder diesen Ehrgeiz", sagt ein 17-Jähriges Mädchen mit Ess-Brech-Sucht. Die Normen der Sendung würden nicht hinterfragt. Außerdem entstehe der Eindruck, man allein habe es in der Hand, sich einfach anzupassen. Das zentrale Erzählmuster der Show sei: Alles ein Frage der Disziplin.

Verstärkter Vergleich

Wer die Kandidatinnen von "GNTM" bei ihrem Weg im Fernsehen beobachtet, vergleicht sich in der einen oder anderen Situation automatisch mit den Protagonisten der Sendung. Dabei gilt offenbar die Devise: Je freizügiger die Bilder, desto stärker die Aufforderung zum Vergleich. Wenn die Nachwuchs-Models an sich selber herummäkelten, so würden die Zuschauer zuhause noch mehr auf den eigenen Körper und seine vermeintlichen Fehler schauen.

Annäherung an das Ideal

Aus dem Vergleich werden Konsequenzen gezogen. Wenn die Kandidatinnen essen würden, so schaue man genau hin: Was und wie viel essen die Mädchen? Besonders schwierig werde es, wenn Kalorienreiche Speisen gezeigt würden. "Was die trotzdem manchmal essen und ich von so wenig zunehme", sagt eine 17-Jährige mit Magersucht. Die Folge: Frust, Unwohlsein und Minderwertigkeitskomplexe.

Was muss sich ändern?

Das IZI eruierte auch, was sich nach Meinung der befragten Mädchen in den Sendung von Heidi Klum ändern muss. Das Spektrum der Vorschläge ist breit: Demnach wird durchaus gefordert, die Show abzusetzen, jedoch zum Beispiel auch, die Mädchen in der Sendung "menschenwürdiger" zu behandeln. Nicht jeder kleine Fehltritt dürfe kritisiert werden. Ein Zeichen von Qualität seien mehr Individualität und Eigenwilligkeit - auch gegenüber dem vermeintlichen Vorbild Heidi Klum.