Was macht die Münsteraner "Tatort"-Ermittler so erfolgreich?

Thiel und Boerne ermitteln am Sonntag in ihrem 25. Fall, was dem Sender wieder Top-Quoten bescheren dürfte. Die Münsteraner sind nach wie vor das beliebteste Krimi-Team. spot on news erklärt, was diese "Tatort"-Figuren so erfolgreich macht und warum ihre Stärke zugleich ihre Schwäche ist.

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Was macht die Münsteraner "Tatort"-Ermittler so erfolgreich?
Alles andere als ein trautes Paar: Prof. Boerne (li.) und Kommissar Thiel - hier im "Tatort: Spargelzeit" (10.10.2010) Foto: NDR/WDR/Martin Menke

"Klamauk" ist der Begriff, der seit einiger Zeit gerne mal fällt, wenn es um das Münsteraner "Tatort"-Team, Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl), geht. Das scheint so etwas wie die Kehrseite der Medaille zu sein, denn eigentlich hatte sich das Team gerade dank eines fiesen Humors an die Spitze des Kommissare-Rankings gesetzt. Und tatsächlich, so grausig die Fälle manchmal auch sein mögen, lachen kann man eigentlich immer. Frei nach dem Motto "Schadenfreude ist die schönste Freude" piesacken sich nicht nur die zwei Protagonisten, mit ihren uncharmanten Kommentaren überziehen sie auch alle anderen Menschen, die ihnen in die Quere kommen. Einzige glückliche Ausnahme: Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) kommt zumindest bei ihrem Chef Thiel ungeschoren davon.

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Wider die politische Korrektheit lautet die Erfolgsformel, wie der folgende legendäre Auszug aus dem "Tatort: Zwischen den Ohren" (Erstausstrahlung: 18. September 2011) zeigt. Professor Boernes kleinwüchsige Assistentin in der Gerichtsmedizin, Silke "Alberich" Haller (Christine Urspruch), sagt zu ihm: "Jetzt kommen Sie mal wieder runter, Chef!" Darauf er: "Wohin? Auf Ihr Niveau etwa?" Ein Polizist, der das hört, lacht und sagt: "Der war gut." Prof. Boerne zu dem Polizisten: "Fanden Sie gut?" Der Polizist: "Der war komisch." Prof. Boerne: "Ah ja, was fanden Sie denn komisch?" Der Polizist: "Na das mit dem Niveau und dem Runterkommen." Prof. Boerne: "Wollen Sie sich über meine Mitarbeiterin lustig machen?" Der Polizist: "Nein, aber Sie haben doch gerade selber..." Prof. Boerne: "Wenn sich hier einer lustig macht, dann bin ich das. Stimmt's, Alberich?" Silke "Alberich" Haller: "Klar, Chef. Und umgekehrt." Prof. Boerne: "Genau."

Respektlos ist vor allem aber auch der Umgang, den die beiden ungleichen Ermittlungspartner, der Kommissar und der Rechtsmediziner, miteinander pflegen. Die Frotzeleien und Bösartigkeiten sind ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal, denn für gewöhnlich verstehen sich die "Tatort"-Ermittler innerhalb des Teams gut. In diesem Dialog aus der Folge "Tatort: Ruhe sanft" (18. März 2007) zeigt sich das schwierige Verhältnis, das die beiden auch außerhalb des Jobs als Vermieter und Mieter haben:

Kommissar Thiel: "Hatten Sie heute Morgen nicht noch einen Hexenschuss?" Prof. Boerne: "Ich hab mir eine Spritze gegönnt." Thiel: "Ah, chemische Keule, gar keine Angst vor den Nebenwirkungen?" Prof. Boerne: "Die sind nicht halb so schlimm wie bei gesalzener Butter. Die sollten Sie in Ihrem Alter übrigens nicht mehr essen." Thiel: "Woher wissen Sie denn, dass ich gesalzene Butter esse?" Prof. Boerne: "Ich habe mir neulich ein Stück aus Ihrem Kühlschrank geliehen." Thiel: "Wie Bitte, Sie waren in meiner Wohnung?" Prof. Boerne: "Ja." Thiel: "Während meiner Abwesenheit?" Prof. Boerne: "Nein, Sie haben geschlafen." Thiel: "Ja und warum klingeln Sie dann nicht, wie jeder andere normale Mensch?" Prof. Boerne: "Ich wollte Sie nicht wecken." Thiel: "Das ist ja wohl das Allerletzte!" Prof. Boerne: "Jetzt haben Sie sich doch nicht so, ich habe Ihnen doch ein Stück ungesalzene Butter zurückgelegt." Thiel: "Wie Bitte? Sie waren nochmal drin?" Prof. Boerne: "Ja natürlich, ich bin doch kein Butterdieb!"

Kommissar Thiel und Prof. Boerne sind nicht nur wie Katz und Maus, die Entwickler der beiden Figuren spielen auch mit anderen Klischees: Proletariat vs. Oberschicht zum Beispiel. Wer leidet nicht mit dem bodenständigen, vom Leben gebeutelten Kommissar und freut sich über die verbalen Klatschen, die der schnöselige Großkopf Boerne übergebraten bekommt. Fortsetzung folgt am Sonntag (20.15 Uhr, Das Erste) mit "Der Hammer": Schon in den ersten 15 Minuten schafft es Thiel, sich neben einem mit Säure übergossenen Toten über Boernes Jackett lustig zu machen: "Herr Ober, ich nehm' ein Kännchen Kaffee. Sieht cool aus. Wo kriegt man sowas, Berufsbekleidung?" Boerne: "So trägt jeder sein Erbe, ich das Dinner-Jackett meines Großvaters und Sie die untersetzte Figur des Ihren."

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