"Facebook macht blöd, blind und erfolglos": Hinter diesem provokanten Buchtitel verbirgt sich ein unterhaltsamer Ratgeber für das digitale Ich. Autorin Anitra Eggler, die bereits mit "E-Mail macht dumm, krank und arm" auf sich aufmerksam gemacht hat, spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news über "Facebook-Inkontinenz" und ständige Erreichbarkiet.

Frau Eggler, warum macht Facebook blöd und blind?

Anitra Eggler: Vermeintlich intelligente Leute verspüren auf Facebook den unwiderstehlichen Drang, blöde und peinliche Posts zu veröffentlichen. Fotos vom Mittagessen und ihren Katzen im Minutentakt. "Wieder ein neuer Tag. Erst mal Kaffee" - was soll das? Eine Headhunterin die ich kenne, hat sich auf ihrem Profil hochschwanger im Bikini präsentiert - ausgerechnet eine Frau, die andere Leute zur Online-Reputation berät. Viele Nutzer werden blind für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Sie fotografieren einen Sonnenuntergang, posten ihn und hoffen auf möglichst viele "Likes" - wirklich gesehen haben sie ihn aber nicht.

Und warum erfolglos?

Eggler: Sobald wir uns im Internet mit unserem ganzen Namen bei einem sozialen Netzwerk anmelden, werden wir zur öffentlichen Marke, die für unsere Reputation von Bedeutung ist. Wer sich dessen nicht bewusst ist, schadet der beruflichen Karriere. Das gilt auch für Firmen, die oft glauben, einfach ein paar Posts zu veröffentlichen, sei eine Social-Media-Strategie. Dabei müssen diese Aktivitäten Hand in Hand mit dem Marketing laufen.

Die größten Fehler im Umgang mit Facebook?

Eggler: Facebook ist kein karitatives Unternehmen - Herr Zuckerberg will Geld verdienen. Und das funktioniert am besten, wenn die Nutzer so viel wie möglich von sich preisgeben. Nur dann ist das Profil für Werbekunden interessant.

Welche Verhaltensregeln empfehlen Sie?

Eggler: Erstens: Die Privatsphäre-Einstellungen einmal im Monat checken und die maximale Sicherheitsstufe wählen. Zweitens: Den gesunden Menschenverstand nutzen. Nichts posten, was man nicht prominent platziert auf Google über sich lesen möchte. Drittens: Nutzer sollen sich überlegen, bei welchen Themen sie sich auskennen und dieses Expertenwissen mit ihren Freunden teilen. Oft hilft, sich das eigene Profil als Zeitung vorzustellen: Tiervideos uns semi-intelligente Zitate gibt es schon genug - was möchte ich in meiner Zeitung veröffentlichen? Viertens: Niemals, aber wirklich niemals, den Beziehungsstatus veröffentlichen. Damit hat noch jedes Beziehungsdilemma begonnen.

Was nervt Sie persönlich am meisten?

Eggler: Spielanfragen, Kettenbriefe und Anstupser aller Art sind der Gipfel der Facebook-Inkontinenz.

Gerade die Generation "Irgendwas mit Medien" hat oft das Gefühl, keinen Social-Media-Trend verpassen zu dürfen und permanent erreichbar sein zu müssen.

Eggler: Viele Unternehmen begreifen gerade, dass sie ihre Mitarbeiter mit der Forderung nach permanenter Erreichbarkeit ausbrennen und sich damit letztendlich selber schaden. Das muss auch jeder Arbeitnehmer verinnerlichen. Und zum Thema Social-Media-Trends: Kein Mensch hat so viel Zeit, bei jedem nächsten "heißen Ding" dabei sein zu können. Es ist besser, sich auf ein oder zwei Netzwerke zu konzentrieren und diese vernünftig zu pflegen.