Udo Wachtveitl hat das Ende von Kommissar Leitmayr schon im Kopf

In der Serie "Im Schleudergang" spielt Udo Wachtveitl den liebestollen Lebemann Max Vonderthann. Für den Schauspieler eine willkommene Abwechslung zum Kommissar Leitmayr aus dem Münchener "Tatort" - auch wenn der hin und wieder ebenfalls lustig sein darf. Wie wichtig ihm Humor bei der Arbeit und im Privaten ist, verrät Wachtveitl im Interview.

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Udo Wachtveitl hat das Ende von Kommissar Leitmayr schon im Kopf
Udo Wachtveitl bei einem Fototermin im Münchner Hotel Olympic Foto: imago stock&people

Mit dem kleinen, humoristischen Format "Im Schleudergang" (die zweite Staffel läuft ab 25. April um 22.00 Uhr im BR) hat sich Udo Wachtveitl gewissermaßen ein Kontrastprogramm zum Münchener "Tatort" ausgesucht. Auch wenn es im "Tatort" ebenfalls mitunter lustig zugeht. Wie viel Platz das Lachen in der Welt von Mord und Totschlag finden darf und welche Rolle der Humor in seinem Leben spielt, erklärt der Schauspieler im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Aber auch einen kleinen Seitenhieb auf andere "Tatort"-Ermittler erlaubt sich der Schauspieler...

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"Im Schleudergang" ist ein eher kleines Format. Was hat Sie gereizt, dabei mitzuwirken?

Udo Wachtveitl: Als ich das Angebot bekommen habe, hatte ich schon gewisse Vorbehalte, weil kleine Formate ja oft nachrangig behandelt werden, was die finanzielle Ausstattung betrifft und die Liebe und Sorgfalt, mit denen daran gearbeitet wird. Doch als ich die ersten paar Folgen gelesen hatte, habe ich sofort zugesagt. Hier ist wirklich der Auftrag des Fernsehens - für das bayerische Fernsehen - ideal erfüllt, weil es eben regional angesiedelt ist und weil es von jemandem geschrieben wurde, der den Menschen aufs Maul schaut. Es ist sehr liebevoll gemacht.

Wollten Sie mit einer humoristischen Serie auch einen beruflichen Kontrast zum "Tatort" schaffen?

Wachtveitl: Es ist natürlich ein erfreulicher Nebenaspekt, dass man mal etwas anderes spielt als den Kommissar Leitmayr. Vor allem aber finde ich, dass die Qualität der Drehbücher von "Im Schleudergang" herausragend ist, was die Dialoge und die Liebe betrifft, mit der dieser kleine Kosmos ausgeleuchtet ist. Ich finde, dass es fantastisch geschrieben ist. Und dann habe ich dort natürlich auch angenehme Kollegen.

Die zweite Staffel wirft nun ein noch intensiveres Licht auf diesen kleinen Kosmos, wie Sie ihn bezeichnen.

Wachtveitl: Die zweite Staffel funkelt tatsächlich noch mehr als die erste. Man hat sich halt auch eingelebt, man kennt sich, und der Autor Peter Bradatsch hat ja auch in Kenntnis der ersten Staffel für die Figurengestaltung nochmal eine Schippe Fantasie draufgelegt.

Ihre Figur Max Vonderthann gibt sich als Lebemann, ist er im Grunde aber nicht ein sehr einsamer Mensch?

Wachtveitl: Das kann man durchaus so sehen. Er ist ein Mensch, der beruflich nie sehr erfolgreich war und trotzdem immer von alten Zeiten schwärmt. Der Zuschauer bekommt ja auch nie eine Gelegenheit, in seine Wohnung zu schauen. Wir wissen gar nicht, wie er dort lebt, weil man ihn hauptsächlich aus seinen Erzählungen kennt. Auch sein Selbstbild, dass ja ein bisschen grandioser ist als seine Wirklichkeit, stammt hauptsächlich aus früher errungenen Erfolgen, die man nicht mehr nachprüfen kann. Ich glaube also schon, dass der Max in den Zeiten, wo wir ihn als Zuschauer nicht sehen, sehr viele einsame Stunden hat.

Max verliebt sich sehr schnell und oft unglücklich. Wird es ein Happy End für ihn geben?

Wachtveitl: Der Ansatzpunkt für die dritte Staffel, die im Herbst dieses Jahres gedreht wird, ist, dass dieser Aspekt der Einsamkeit und des Versagens natürlich irgendwann mal schlüssig zum Abschluss kommen muss.

Sie spielen nun in einer komischen Serie mit, und auch im Münchener "Tatort" wird Wert auf eine Prise Humor gelegt. Wie wichtig ist Humor für Sie?

Wachtveitl: Der steht für mich an erster Stelle. Oder besser: An zweiter, gleich nach Gesundheit. Ich finde, ohne Humor nützt alles gar nichts. Das Leben muss nicht trüb sein.

Bei manchen "Tatort"-Folgen wurde das in letzter Zeit allerdings etwas übertrieben. Wie lustig darf man Ihrer Ansicht nach in der Welt von Mord und Totschlag sein?

Wachtveitl: Man darf so lustig sein, wie man mag, solange man den Fall und das Thema, das man behandelt, nicht verrät. Ich habe auch den Eindruck, dass es da und dort manchmal gar nicht mehr um die Themen geht, sondern der "Tatort" eher zum "Krimilantenstadl" wird. Ich finde das schade, wenn man außer einem Schmunzeln nichts weiter mitnehmen kann. Mich interessiert das dann auch nicht mehr so. Ich meine damit jetzt gar keinen speziellen "Tatort", ich sage das ganz generell.

Teilweise geht es auch in die andere Richtung und die Leichen werden im Dutzend gestapelt. Finden Sie, es gibt manchmal zuviel Gewalt im "Tatort"?

Wachtveitl: Nein, finde ich nicht. Es muss halt der Geschichte dienlich sein. Wenn sie allerdings wie so ein Videospiel daherkommt und in einer, wie ich finde, dann doch nicht ganz gekonnten Weise amerikanischen Vorbildern nachgeäfft wird, dann zeugt das nicht gerade von gesundem Selbstbewusstsein.

Solange es also zum Thema passt, finden Sie es Ordnung, Gewalt zu zeigen?

Wachtveitl: Völlig in Ordnung, ja. Gewalt ist ein wichtiges Thema, und der "Tatort" ist nun mal kein Nachmittagsprogramm. Da geht es eben in den meisten Fällen darum, dass Menschen andere Menschen umbringen; sonst wäre es kein "Tatort". Mich stört die Darstellung von Gewalt nicht; mich stört nur langsam, wie damit umgegangen wird. Wenn darüber leichtfertig hinweggegangen wird, dann ist das schlecht. Wenn Gewalt Thema ist und erzählt wird, dass sie Menschen zerstören kann, dass sie Schaden anrichten kann, dann finde ich es berechtigt, sie zu zeigen.

Wenn Sie denn eines Tages ihren Hut beim "Tatort" nehmen, welches Ende würden Sie Leitmayr wünschen: Würden Sie ihn im Einsatz sterben lassen oder glücklich und heil in den wohlverdienten Ruhestand schicken?

Wachtveitl: Ich habe dazu schon eine Idee, die ich seit Langem hege. Die werde ich nicht verraten, weil ich Angst habe, dass sie jemand klaut. Aber um die Frage negativ zu beantworten: Ich finde, ein Heldentot durch Einsatz im Dienst, also quasi ein Märtyrertod in ernster Pflichterfüllung - das würde nicht zu uns passen. Denn wir sind ja beim bayerischen "Tatort" dazu aufgerufen, nicht in diesen Trübsals- und Bedeutungswahn zu verfallen, den manch andere haben.

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