Heute Abend startet die zweite Staffel von "The Blacklist" (RTL, 21:15 Uhr) - und wieder geht es vor allem um Vergangenheitsbewältigung auf mehreren Ebenen. Zum einen ist da natürlich die namensgebende "Blacklist", also jene lose Liste skrupelloser Verbrecher, die das geheime FBI-Team zusammen mit dem selbst wenig zimperlichen und genial-kriminellen Raymond Reddington (James Spader, "Boston Legal") Folge für Folge zur Strecke bringt. Selbstredend, dass die Liste wie schon in der ersten Staffel nicht allein dazu dient, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern auch immer den Interessen Reddingtons.

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Zum anderen hat die erste Staffel, damals mit durchschnittlichen 14% Marktanteil für RTL ein echter Quotenerfolg, mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Das heißt, die Fangemeinde dürfte den Antworten entgegenfiebern: Ist "Red" wirklich der Vater von Elizabeth Keen (Megan Boone)? Oder was verbindet die beiden sonst? Welche Rolle spielt "Lizzies" Ex-Ehemann Tom Keen (Ryan Eggold), der sich als Agent für offenbar viele Seiten entpuppte - und welche Seiten genau?

Ist Red der Vater von Agent Keen - diese Frage bewegt die Fans

Anspielungen zu all diesen Themen gab es zum Ende der ersten Staffel genug: Das Geld, das Red an Tom zahlt. Reds Rücken voller Brandwunden, wo doch das Feuer im Haus ihrer Eltern eine zentrale Rolle in Lizzies verschwommener Vergangenheit spielt. Das geheimnisvolle Foto eines Mädchens, das Reddington und seinen Gegenspieler mit dem Decknamen Berlin verbindet. So viel vorweg, ohne etwas zu verraten: Die meisten Fragen werden auch noch eine Weile unbeantwortet bleiben.

Die Macher der Serie verabreichen den Fans immer genau das Quäntchen an Information, um sie bei der Stange zu halten und die gelegentlichen Doppelfolgen samt obligatorischem Cliffhanger tun ihr übriges. Und auch, wenn einige die ständige Annäherung mit prompt folgender Ablehnung zwischen Red und Lizzie ebenso nerven mag wie die doch immer ähnliche Struktur der Folgen vom Auftrag bis hin zur Lösung eines neuen Blacklist-Falles, so ist doch genau das der Erfolgsgarant der Serie. Solide Thriller-Kost, in der zweiten Staffel mit deutlich mehr Action und zugegeben auch verstörenderen Geschichten (Organ- und Menschenhandel, inzestuöse, kinderschändende Sekten, verlassene Ölplattformen als Hochsicherheits-Folter-Gefängnisse).

Solide Krimikost - aber mehr nicht

Fazit: Echte Innovationen gibt es weder im Drehbuch noch bei der Ausführung, aber wenn man ehrlich ist, erwartet das auch keiner vom "Polizeiruf" oder "Navy CIS". Fans von James Spader sollten auf jeden Fall wieder einschalten, alle anderen Krimi-Liebhaber kommen ebenfalls trotz der ein oder anderen durch die Logik- oder Realitäts-Prüfung gefallenen Folge ebenfalls auf ihre Kosten. Nur TV-Avantgardisten sollten sich lieber preisgekrönte Serien wie "Sherlock" oder "True Detective" zuwenden, die in Sachen Storytelling und auch in der Umsetzung wirklich neue Wege gehen. Und zum Abschluss vielleicht der vorsichtige Hinweis: Auch Staffel 2 wird nicht die Auflösung bringen, die sich so viele erhoffen - denn die 3. Staffel ist bereits bestätigt.