"Spielverderber": So wird der "Tatort" am Sonntag

Der neue Schweiger-"Tatort" wurde so kurz nach den Anschlägen in Paris als zu nervenaufreibend eingestuft. Auf den neuen Fall aus Hannover trifft dieses Prädikat nicht zu.

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"Spielverderber": So wird der "Tatort" am Sonntag
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) nimmt sich Oberst Andreas Friedrichs (Richard van Weyde) vor Foto: NDR/Frederic Batier

Nach dem Hype um den Gastauftritt von Helene Fischer in Til Schweigers neuem "Tatort" wurde der nach den Anschlägen in Paris kurzfristig ins neue Jahr verschoben. Stattdessen wurde der Hannoveraner Fall "Spielverderber" vorgezogen, der die LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in die Welt des Militärs führt.

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Worum geht es?

Denn Lore, die Ex-Frau von Luftwaffen-Pilot Jan Körner (Gerdy Zint), wird tot aufgefunden. Potentielle Verdächtige sind schnell gefunden, denn die Dame pflegte zu Lebzeiten einen liederlichen Lebensstil. Weder Kameraden ihres Ex-Mannes noch die Ehemänner der Soldatinnen waren für sie tabu. Der nach wie vor verliebte und aggressive Körner hat ein Alibi - doch Lores jüngste Eroberung, der Ehemann der Ladungsmeisterin Kristin Goebels (Jasmin Gerat) ist untergetaucht.

Lindholm ermittelt also bei der Luftwaffe, was Potential für schöne Aufnahmen vom Boden und aus der Luft bietet. Und tatsächlich ist "Spielverderber" von Regisseur Hartmut Schoen ansehnlich fotografiert. Die weiteren Möglichkeiten, die ein solches Setting für den "Tatort" bieten würde, werden jedoch verschenkt.

Lohnt das Einschalten?

Nur, wenn man Kai Diekmann schon immer auf dem Seziertisch sehen wollte - der "Bild"-Chef hat einen Gastauftritt als Leiche. Der Film selbst verschenkt sein Potential jedoch. Sehenswert machen ihn höchstens die guten Darsteller. Neben Gerdy Zint als liebestoller Choleriker überzeugt vor allem Jasmin Gerat als still leidende Soldatin. Die emotionale Tiefe, die sie dem Film verleihen könnte, kommt jedoch zu spät und wird mit einem arg pathetischen Ende verwässert.

Auch Spannung will nicht so recht aufkommen. Die Handlung plätschert vor sich hin, untermalt von störender Musik, die so viel Suspense erzeugt wie eine Mücke, die einem vor dem Einschlafen um die Ohren schwirrt. Dass Lindholm sich vom Oberst (Richard van Weyden) die Bluse vom Leib reißen lässt, lässt einen ähnlich ungerührt wie ihre Konfrontation mit dem Staatsanwalt Mühlhoff (Rainer Winkelvoss). Die Spannungen mit ihm entladen sich in einem Streit, bei dem Lindholm doch tatsächlich mit dem Fuß aufstampft. So will man die toughe Ermittlerin nicht sehen.

Tiefgründige Themen wie das Trauma von Soldaten, die von gefährlichen Auslandseinsätzen heimkehren oder das einsame Schicksal von Militär-Witwen werden nur oberflächlich gestreift. Stattdessen steht ein Drama um Liebe und Eifersucht im Zentrum des Geschehens. Schade um das schöne Setting.

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