Der "Tatort: Winternebel" (Sonntag, 20:15 Uhr, ARD) beginnt mit zwei Toten im dichten Nebel am herbstlichen Bodensee. Markus Söckle, Maschinist auf einer Bodenseefähre, ist ertrunken, nachdem er einen massiven Schlag auf den Kopf bekommen hat. Wer an einem anderen Seeufer Beat Schmeisser tötete, ist dagegen bekannt: Klara Blums (Eva Mattes) Schweizer Kollege Matteo Lüthi (Roland Koch). In Notwehr, behauptet er. Bei dem Toten sind aber weder Waffe noch Schmauchspuren gefunden worden.

"Wir können nicht alle wie Berta sein": Erinnerungen - das Buch von Eva Mattes können Sie hier bestellen

War es tatsächlich Notwehr oder schoss der Kommissar zu vorschnell, weil er mit dem Kriminellen noch eine Rechnung wegen eines Entführungsfalls offen hatte? Doch nicht nur die angebliche Waffe des Toten ist nicht zu finden, auch die Tochter eines reichen Schweizer Bauunternehmers, mit der der tote Söckle zuletzt gesehen worden war, ist verschwunden. Was hat ihre Entführung mit den beiden Toten zu tun?

Lohnt es sich, am Sonntag einzuschalten?

Jein. Diesmal bietet der SWR zwar solide Krimi-Unterhaltung mit Thriller-Elementen, aber nicht unbedingt mehr. Weder das durch einen Bauunternehmer-Naturschützer-Konflikt zerrüttete Vater-Tochter-Verhältnis, noch jenes zwischen dem verunsicherten Entführer und seinem rebellischen Opfer überzeugen so richtig. Und auch wenn die sonst offenbar nur passive Mutter ausbrechen will, einer der (zu) vielen Handlungsstränge, wirkt es allzu konstruiert. Gleiches gilt für den Kommissar, dem anhand eines aus der Tasche gepurzelten Stofftieres alles klar wird...

Interessante gemeinsame Szenen haben in diesem Sonntagskrimi nicht die beiden deutschen Ermittler Blum und Perlmann, sondern die Kommissarin und der verdächtige Schweizer Kollege Lüthi - zum Beispiel beim Feierabend-Bier mit Currywurst. Im Gegensatz zum vom Machtkampf geprägten Verhältnis voriger Folgen, scheinen sich die beiden näher zu kommen. Nicht zuletzt weil Lüthi sich von der menschlichen und schwachen Seite zeigen muss. Pünktlich zum Schlussgag ist er aber wieder der unkonventionelle Kämpfer für die gute Sache.