Der legendäre Komiker Charlie Chaplin (1889-1977, "Lichter der Großstadt") würde heute seinen 125. Geburtstag feiern. Er gehörte zu seiner Zeit als Schauspieler und Filmemacher zu den Gründervätern Hollywoods. Seine Werke erlangten weltweiten Ruhm, die reale Person Chaplins verschwand dabei beinahe komplett hinter seiner Paraderolle des "Tramps". Doch auch die wahre Lebensgeschichte enthält einige filmreife Episoden.

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Geprägt von Armut

Chaplin wuchs in äußerst ärmlichen Verhältnissen in London auf. Seine Eltern, die Entertainer Charles Chaplin senior und Hannah Hill, trennten sich wenige Jahre nach seiner Geburt, die Mutter bekam keine finanzielle Unterstützung für den kleinen Charlie und seine Geschwister. Auch später pflegte Chaplin einen einfachen Lebensstil: Noch als Millionär wohnte er lange Zeit in einem heruntergekommenen Hotelzimmer. Die Schecks von den Filmstudios bewahrte er monatelang in einem Koffer auf, bevor er sie einlöste.

Berühmter Zimmergenosse

Chaplin kam erstmals 1911 mit der Theaterkompanie von Fred Karno nach Amerika. Bei seiner zweiten Tournee mit der Truppe teilte er sich ein Zimmer mit seinem Kollegen Arthur Stanley Jefferson - heute besser bekannt als Stan Laurel. Immer, wenn Laurel etwas in seiner Pfanne briet, spielte Chaplin auf seiner Geige - so übertönte er die Bratgeräusche, denn in der Pension war das Kochen auf den Zimmern verboten. Auf diesem Trip bekam Chaplin 1914 sein erstes Filmangebot und blieb in den Staaten.

Geliehenes Kult-Outfit

Für die Entwicklung seines legendäres "Tramp"-Outfits lieh Chaplin sich Kleidungsstücke von Kollegen: Die übergroße Hose gehörte dem schwergewichtigen Komiker Roscoe "Fatty" Arbuckle, die Melone dessen Schwiegervater. Der Cutaway kam vom Schauspieler Chester Conklin, die riesigen Schuhe von Ford Sterling, das Jackett von Charles Avery und Mack Swain steuerte Krepp-Papier für den Schnauzbart bei. Nur ein einziges Teil des Kostüms gehörte Chaplin selbst: der berühmte Spazierstock.

Später Oscar-Fan

Chaplin zählt bis heute fraglos zu den größten Hollywood-Legenden, doch mit den Academy Awards stand er lange auf Kriegsfuß: Seinen ersten Ehren-Oscar aus dem Jahr 1929 soll er laut Sohn Charles Chaplin junior als Türstopper verwendet haben. Bei der Annahme seines zweiten Ehren-Oscars im Jahr 1972 zeigte sich Chaplin dafür zu Tränen gerührt. Im folgenden Jahr gewann er in seiner weniger bekannten Eigenschaft als Komponist seinen ersten und einzigen regulären Oscar für die Filmmusik von "Rampenlicht".

Fragwürdiges Beuteschema

Berüchtigt war Chaplins Vorliebe für jüngere - viel, viel jüngere - Frauen. Seine ersten beiden Ehefrauen Mildred Harris und Lita Grey waren etwa bei der Hochzeit jeweils erst 16. Die Beziehung zu Grey soll eine Inspirationsquelle von Vladimir Nabokovs Roman "Lolita" gewesen sein. Bei seiner vierten und letzen Frau Oona O'Neill wartete Chaplin immerhin ihren 18. Geburtstag ab, bevor er sie 1943 zum Traualtar führte. Ihre Ehe hielt dann bis zu Chaplins Tod, die beiden hatten zusammen acht Kinder.

Verbannung aus Amerika

Das skandalreiche Liebesleben Chaplins lieferte auch Munition für das FBI, das den Schauspieler Ende der 40er-Jahre allerdings vor allem wegen seiner angeblichen Sympathien für den Kommunismus im Visier hatte. FBI-Chef J. Edgar Hoover persönlich hatte es auf Chaplin abgesehen und wollte ihm die Aufenthaltserlaubnis entziehen - der Hollywood-Star hatte nie die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. 1952 hatte Hoover Erfolg: Als Chaplin zur Premiere von "Rampenlicht" nach England reiste, wurde ihm die Rückkehr in die Vereinigten Staaten verweigert. Chaplin ließ sich daraufhin in der Schweiz nieder. Danach wurden auch seine Hand- und Fußabdrücke vor dem Chinese Theatre entfernt. Die Betonplatte ist bis heute verschollen.

Posthume Entführung

Nach seinem Tod am 25. Dezember 1977 wurde Chaplin Opfer einer Entführung: Zwei Männer stahlen Chaplins Sarg am 1. März 1978 aus seiner Ruhestätte in dem Schweizer Ort Corsier-sur-Vevey und versteckten ihn in einem Maisfeld. Die Grabräuber wollten von Chaplins Witwe Oona ein Lösegeld erpressen. Im Mai wurden die Täter gefasst, Chaplin fand seine endgültige Ruhe in einer einbruchssicheren Gruft aus verstärktem Beton.