Die Bundestagswahl rückt immer näher - das spiegelt sich auch im Fernsehprogramm wider. Am morgigen Sonntag lädt RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel (54) Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in seine Sendung "Meine Wahl - an einem Tisch mit Peer Steinbrück" (RTL, 19:05 Uhr), eine Woche später ist Kanzlerin Angela Merkel zu Gast. Was die Zuschauer erwartet und warum auch "Let's Dance"-Chefjuror Joachim Llambi am Tisch Platz nehmen wird, erklärt Kloeppel im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

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Herr Kloeppel, was genau erwartet die Zuschauer in Ihrer Sendung "Meine Wahl - an einem Tisch mit ..."?

Peter Kloeppel: In der Sendung werden Bürger mit dem Kanzlerkandidaten bzw. der Kanzlerin an einem Tisch sitzen. Eine Konstellation, die man so eher selten in der Öffentlichkeit sieht. Sie kommen den beiden Kontrahenten ganz nahe und können tatsächlich auf Augenhöhe mit ihnen diskutieren, sprechen und Fragen stellen. In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder ähnliche Sendungen gemacht, allerdings saßen die Bürger dabei auf der Tribüne. Die Distanz, die hier zu spüren war, wollen wir mit dieser Sendung aufbrechen. Es lässt sich einfach viel leichter diskutieren, wenn man gemeinsam an einem Tisch sitzt, so wie es viele Familien in Deutschland seit jeher tagtäglich tun.

Wie haben Herr Steinbrück und Frau Merkel auf dieses Konzept reagiert, haben sie gleich zugesagt?

Kloeppel: Nachdem ich das Konzept ein bisschen erläutert hatte, waren eigentlich relativ schnell Interesse und dann auch Zustimmung da. Das hat uns natürlich gefreut, weil es doch zeigt, dass die Aussage: "Sie können mich alles fragen und wir sind ja auch für die Bürger da!" tatsächlich auch Bestand hat. Auch in einer öffentlichen Sendung.

Haben die beiden die Möglichkeit, sich auf die Sendung vorzubereiten? Bekommen sie vorab die Fragen zugeschickt?

Kloeppel: Nein, wir schicken ihnen vorab keine Fragen. Das ist auch in anderen Sendungen nicht üblich. Sie wissen aber ungefähr, wer mit ihnen am Tisch sitzen wird, damit sie sich darauf einstellen können. Viele der Fragen werden zudem sicherlich auch erst in der Sendung aufkommen.

"Let's Dance"-Juror Joachim Llambi wird bei der Sendung mit Peer Steinbrück und Sternekoch Christian Rach bei der Sendung mit Angela Merkel zu Gast sein - warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese beiden Prominenten?

Kloeppel: Die beiden haben eine gewisse Prominenz bei RTL und sind bei den Zuschauern beliebte Protagonisten. Sie sind aber auch deswegen beliebt, weil sie für etwas stehen. Joachim Llambi ist jemand, der mit relativ klarem, scharfem Urteil in Sendungen agiert. Er verfügt aber auch über ein profundes Wissen über Finanzmärkte, Börsengeschäfte und die deutsche Wirtschaft. Er hat ja lange Jahre als Börsenmakler gearbeitet. Christian Rach ist jemand, der sich natürlich als Restauranttester einen Namen gemacht hat, aber auch immer gezeigt hat, dass er sich sehr stark für Verbraucherinteressen einsetzt, zum Beispiel durch Sendungen wie "Rach deckt auf". Er macht sich zudem auch für die Themen Bildung und Ausbildung stark. Themen, die bei uns in der Gesellschaft intensiv diskutiert werden.

Die Sendung ist nur eine von vielen RTL-Beiträgen zur Wahl - haben Sie keine Angst, dass angesichts der viel beschworenen Politikverdrossenheit die Quoten bescheiden ausfallen könnten?

Kloeppel: Über die Quoten mache ich mir gar nicht so viele Gedanken. Eher darüber, dass die Menschen sich grundsätzlich für Politik interessieren, dass wir sie auf ganz unterschiedlichen Ebenen erreichen können. Auch mit unterschiedlichen Formaten. Dazu gehört natürlich zum einen die Sendung "An einem Tisch", aber auch die vielen, vielen Beiträge in unseren anderen Sendungen. Die unterschiedlichen Formate machen im Endeffekt das Gesamtpaket stark. Dass die eine Sendung vielleicht stärker und die andere ein bisschen schwächer ist, damit müssen wir immer rechnen. Aber wir wissen auch, dass sich die Zuschauer die Sendungen suchen, die sie selber für interessant halten. Wir glauben einfach, dass wir mit der Sendung "An einem Tisch" ein interessantes Format gefunden haben.

Wie bereiten Sie sich auf die Sendungen vor?

Kloeppel: Ich habe fast alle Bürger, die wir eingeladen haben, persönlich getroffen. Ich habe mit ihnen geredet, manche auch zu Hause besucht und mir beschreiben lassen, was ihre Probleme sind. Natürlich habe ich mir auch die Wahlprogramme intensiver angeschaut. Aber durch meine Nachrichten-Sendungen merke ich ganz einfach, dass vieles von dem, was politisch diskutiert wird, für mich zum täglichen Geschäft gehört. So gesehen muss ich mich nicht speziell auf einen Themenbereich vorbereiten. Ich bin ohnehin intensiv in der politischen Berichterstattung verankert und damit in relativ vielen Themen hoffentlich gut genug informiert. (lacht)

Kennen Sie noch so etwas wie Lampenfieber?

Kloeppel: Ja, natürlich hat man vor so einer Sendung auch ein bisschen Schmetterlinge im Bauch. In der täglichen Nachrichtensendung verliert man das. Aber wenn wir was Außergewöhnliches machen, wo ich nicht so genau weiß, ob alles funktioniert, dann bin natürlich ein bisschen nervös.

Wie gut kennen Sie Frau Merkel und Herr Steinbrück?

Kloeppel: Ich habe mit beiden immer wieder mal zu tun gehabt. Vielleicht ein bisschen mehr mit der Kanzlerin als mit Peer Steinbrück. Ich habe beide schon mehrfach interviewt und war mit der Kanzlerin auf diversen Auslandsreisen. Aber das ist jetzt kein persönliches Bekanntheitsverhältnis. Man kennt sich professionell und so möchte ich es auch immer halten.

Was imponiert Ihnen bei der Kanzlerin denn am meisten?

Kloeppel: Ich gebe keine Qualifikationen oder Beschreibungen ab. Ich möchte mich nicht auf das Glatteis begeben und jemanden positiv, negativ oder wie auch immer darzustellen. Meine Meinung spielt hier keine so große Rolle, sondern die Meinung der Bürger ist wichtig. Und wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, sich durch unsere Sendungen ein Urteil zu bilden. Deswegen bin ich da einfach still und sage dazu gar nichts.

Haben Sie sich denn schon entschieden, wen Sie am 22. September wählen werden?

Kloeppel: Ja! Ich habe mich auch vor vielen Jahren dazu entschieden, immer wenn Wahlen stattfinden, zu wählen. Das ist das Entscheidende: Wenn wir über Politikverdrossenheit oder Wahlmüdigkeit sprechen, müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen. Ich hoffe, dass viele Menschen in Deutschland sagen: Ja, am 22. September ist einer der wichtigsten Tage in diesem Jahr, denn da kann ich mitbestimmen, wie Politik in Deutschland gestaltet wird und von wem.

Beim TV-Duell im September wird auch erstmals Stefan Raab an Bord sein. Was halten Sie davon?

Kloeppel: Zur Wahl stehen nicht Maybrit Illner, Anne Will, Stefan Raab oder ich, sondern Steinbrück und Merkel. Auf sie kommt es an und über sie sollte man reden, nicht über uns. Deshalb haben wir Moderatoren uns darauf geeinigt, dass wir übereinander keine Äußerungen machen werden.

Sie sind bereits seit 20 Jahren RTL-Chefredakteur - wen würden Sie gerne mal zum Interview bitten?

Kloeppel: Wir hoffen immer noch, einmal mit US-Präsident Barack Obama sprechen zu können. Ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir mal mit einem Papst ein Interview führen können. Aber ansonsten sollte man nicht vergessen, dass es ganz, ganz viele Bürger hier in Deutschland gibt, die interessante Geschichten zu erzählen haben. Das darf nicht untergehen! Die Summe dieser Geschichten prägt unser Land und ich denke, dass wir uns darauf immer wieder konzentrieren sollten. Die Bürger sollten eine Stimme bekommen und auch die Möglichkeit haben, sich mit Politikern auszutauschen, so wie wir das nun an diesem Wochenende versuchen werden.