Na, immerhin mal wieder was anderes: Kurt Krömer (38) ist der selbsternannte "Anarchist im deutschen Fernsehen". Und natürlich überschreitet der Komiker und Moderator auch zum Start der zweiten Staffel seiner "Krömer - Late Night Show" (Samstag, 22.45 Uhr) ein paar Grenzen der gepflegten Abendunterhaltung. Nicht immer auf die subtile Art. Dem Gast Matthias Matussek (59) - seines Zeichens Spiegel-Journalist und Buchautor - ging das so sehr zu weit, dass er sich aus der Show herausschneiden lassen wollte.

Wer sich auf den Genuss der zweiten Staffel von Krömers Show erstmal in Ruhe vorbereiten will, ist bei der "Best of"-DVD der ersten Reihe genau richtig

Zu lesen war über dieses Skandälchen vorab schon einiges: Dass Krömer Matussek vor laufenden Kameras zur Begrüßung "hinterfotziges Arschloch" und später mehrmals einen "Puffgänger" genannt habe, zum Beispiel. Und dass die Produktionsfirma Matusseks Forderung, ihn samt der Beleidigungen herauszuschneiden, ablehnte. Matussek versuchte daraufhin durch eine Einstweilige Verfügung die Ausstrahlung der Sendung zu untersagen. Das Landgericht Hamburg urteilte jedoch, die "Kunstfigur" Krömer benutze eine drastische Sprache, "um die Gäste zu provozieren". Dies sei keine Beleidigung im strafrechtlichen Sinne. Matussek rief auch die nächsthöhere Instanz, das Oberlandesgericht an, um die Ausstrahlung in letzter Sekunde zu verhindern - über ein Sendeverbot wurde bis Freitagabend jedoch nichts bekannt.

Aber tatsächlich, für Freunde des gediegenen Fernsehgesprächs ist die Sendung nichts. Denn bei Krömer gibt es statt stillem Wasser aus kleinen Gläschen und Befindlichkeitstalk Mineralwasser aus der Pulle und verbalen Frontalangriff - die Flasche vom Talkmaster dazu netterweise vorab schon einmal abgeleckt. Und ein bisschen schmerzhaft ist es bisweilen schon, zuzusehen wie Krömer seine Gäste antatscht und jede Komfortzone des physischen Abstands überschreitet. Aber was in der Sendung passiert, ist aus der ersten Staffel ja bekannt.

Der zweite Gast, Schlagersängerin Mary Roos, nimmt das zwar manchmal mit etwas bittersüßem Lächeln aber immerhin mit Humor - sie fordert Krömer sogar noch zum Weitermachen auf, als der sich nach einem aus inniger Fünf-Millimeter-Nähe gesungenen Begrüßungslied wieder entfernen will. Oder bietet dem Gastgeber auf dessen an Matussek gerichtete "Puffgänger"-Beleidigung im Spaß einen gemeinsamen Besuch im Bordell an. Selbsternannte Grenzenüberschreiter noch ein Stück weiter schubsen - so kommt man mit heiler Haut aus der Grauzone der TV-Unterhaltung. Das hätte Matussek auch tun können.

Der nimmt das alles aber mit sichtlich weniger Humor. Und mutiert damit erst irgendwie zum Verlierer der Show. Auch mit dem Versuch, sein aktuelles Buch in der Sendung zu promoten, läuft Matussek ziemlich auf. "Total feiste Schleichwerbung" nennt Krömer das Buch als "Gastgeschenk" - und hat damit natürlich völlig recht. Nachher behauptet er, auf sein eigenes Werk angesprochen, sogar, selber nie ein Buch geschrieben zu haben. Und verteidigt auf diese Weise tatsächlich eine werbefreie Zone im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Hart, aber fair.

Krömer tut eben auch in der zweiten Staffel, was er in der "Krömer - Late Night Show" so tut: Alle Konventionen des TV-Talks brechen. Mit fleckigen Sofas, kruder Tatscherei, derben Begrüßungen und unhöflicher Wortabschneiderei. Manchmal ist es da nur die öde TV-Routine die bricht - und manchmal, wo diese sich mit der Talk-Etikette überschneidet, verabschiedet sich der gute Geschmack gleich mit. Aber so lautet eben das Konzept. Die harte Dreiviertelstunde Show führt die Sehgewohnheiten ad absurdum und tut wahrscheinlich dabei noch ein gutes Werk.

Für einen Skandal reicht das freilich nicht ganz - und hätte Matussek die dreckigen Anwürfe nicht gleich so ernst genommen, wären die haltlosen Äußerungen eines krawalligen Moderatoren auch ganz schnell wieder vergessen gewesen: Denn Krömer will ja nur spielen, wie alle wissen.