Eine Burka-Verschleierte, ein Turbanträger, tanzende griechische Götter, türkische Bauarbeiter oder singende Ägypter auf der Bühne. Dafür keine Büttenreden, kein Tusch und Tätära, keine Funkemariechen. Alles ist anders bei der "Immisitzung" in Köln. In der noch ganz neuen alternativen Karnevalssitzung kommt manches frech und frisch daher, vieles provokant, alles hat Multi-Kulti-Anstrich. "Die Immisitzung als Sitzung von Künstlern mit Migrationshintergrund ist deutschlandweit einmalig", sagt Sprecher Andreas Menn.

Die Schauspieler und Tänzer sind Innigranten etwa aus Russland, Mexiko, Griechenland, der Türkei oder den USA.

Sie bestreiten das Programm für "integrationsgeile Immis und Kölsche Chinesen", für "Negerköpp" aus Köln-Nippes im Speziellen und "Karnevalsterroristen" im Allgemeinen, wie sie den Zuschauern zurufen.

Der Sound der Band klingt exotisch-orientalisch. Die Sitzungspräsidentin hat Wurzeln in Kamerun, spricht aber breites Kölsch. Ein bunter Haufen, der was kann, alle Sketche, Songs und Tanznummern stammen aus eigener Feder und Regie.

Auch brisante Themen werden aufgetischt:

So textet ein Turbanträger nach einem Selbstmord-Attentat den Peter-Fox-Ohrwurm "Haus am See" um in "Blut im See" und singt: "Leichenteile liegen auf dem Weg..." Zur versprochenen Belohnung - Jungfrauen im Paradies - kommt es in der Nummer nicht: "Keine Jungfrau am Start - dieser blöde Mullah, der wollt mich wohl verarschen." In roter Burka haucht eine Gestalt den Hildegard-Knef-Klassiker "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" - mit explosivem Inhalt. Zynisch, beim Publikum kommt's aber an. Im Gegensatz zu einem missratenen Gag rund um den 11. September - da herrscht plötzlich betretenes Schweigen im Saal.

Sonst geht es aber fetzig und humorvoll zu.

Die Griechen und ihre Finanzkrise bekommen ihr Fett weg, ebenso wie die Kirche mit ihren Missbrauchsskandalen oder die Castingshow "Das Supertalent". Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und Kanzlerin Angela Merkel sind Zielscheibe des Spotts: "Trittin trifft Merkel im Dino-Magen der Atomlobby und fragt: "Bist du auch von der Atomlobby gefressen worden?" Sagt Merkel: "Nein, ich bin von hinten reingekommen"."

Einen Hauch von "Muppetshow" verbreiten die Domgeister, zwei "alte Säcke" aus Köln und Frankreich, die von einem höher liegenden Logenplatz aus das Treiben bissig kommentieren.


"Die Immisitzung gibt Migranten im Kölner Karneval erstmals eine Bühne", sagt Regisseurin Selda Akhan. Die Sache werde erst richtig spannend, weil jeder ein Stück Kultur einbringe und die Show damit bereichere. Und: "Integration ist nicht, darüber zu reden, sondern miteinander zu leben. Das tun wir Immis im Karneval. Egal, woher wir kommen - wir lachen zusammen, trinken Kölsch und feiern." dpa