Wollen wir Josef Hader (52, "Indien") in einer bitterernsten Rolle sehen? Ja, wollen wir! Vor allem dann, wenn das in einem TV-Highlight wie "Ein halbes Leben" (Dienstag, 3sat, 20.15 Uhr) geschieht. Das fanden übrigens auch die Juroren des Deutschen Fernsehpreises. Die haben den Regisseur des Films, Nikolaus Leytner, und Hauptdarsteller Josef Hader 2009 zu den besten ihrer Zunft gewählt.

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Der Film erzählt die Geschichte zweier Männer, die auf schreckliche Weise "ein halbes Leben" lang miteinander verbunden sind, ohne sich jemals begegnet zu sein. Der eine (Matthias Habich) ist der Vater eines ermordeten Vergewaltigungsopfers, der andere ist der feige Mörder: Hader. Der coole, schräge, groteske und sympathische Österreicher Josef Hader? Wie kamen Regisseur Leytner und Produzent Helmut Grasser nur auf diese Besetzung?

"Ich denke mal, sie haben sich gefragt, wer die Figur ambivalent spielen kann. Derjenige musste als Mörder glaubhaft und gleichzeitig in manchen Situationen sympathisch sein", erklärt Josef Hader im Interview sein Engagement. Darüber habe er sich sehr gefreut, weil ihm so etwas selten angeboten würde.

So absolut sehenswert das Drama auch ist, den feigen Mörder ausgerechnet mit einem Kult-Kabarettisten und uneingeschränkten Sympathieträger zu besetzen, war riskant. "Das sind schon schwierige Entscheidungen, die ein Regisseur da im Vorfeld zu treffen hat", bestätigt der Hauptdarsteller. "Wenn man einmal besetzt hat, kann man eigentlich nur mehr wenig schrauben", so Hader weiter. Gerade die Gefahr, die darin stecke, sei aber auch sehr interessant, weiß der Künstler, der 1962 in Waldhausen im oberösterreichischen Strudengau das Licht der Welt erblickte.

Vor allem ein Charakterzug verbindet den privat sehr sanften Josef Hader nicht mit der Rolle des Mörders "Ulrich Lenz": "Das ist vor allem dieses völlig unkontrollierte in eine Aggression hineinrutschende." Das sei ihm fremd, dafür sei er ein zu kontrollierter und irgendwie auch zu ängstlicher Mensch.

Den Fans, die vielleicht unsicher sind, ob sie ihren Kult-Kabarettisten in einer vollkommen ernsten Rolle sehen wollen, erklärt Hader: "Ich bin einfach immer auf der Suche nach neuen Aufgaben. Künstler, die immer nur dasselbe machen, werden automatisch schlechter, weil sie sich nie fordern." Dann sind wir mal froh, dass Hader den Schritt gewagt hat.