Jörg Hartmann: "Faber bleibt eine tickende Zeitbombe"

Er ist laut, depressiv und ein bisschen verrückt: Genau diese Mischung macht "Tatort"-Kriminalhauptkommissar Peter Faber so einzigartig und interessant. Liefen Zuschauer und Kritiker am Anfang noch Sturm gegen "den Neuen", gehören er und sein Dortmunder Team mittlerweile zu den beliebtesten Ermittlern.

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Jörg Hartmann: "Faber bleibt eine tickende Zeitbombe"
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, r.) geht Markus Graf (Florian Bartholomäi) an die Gurgel Foto: WDR/Thomas Kost

Hinterher ist man natürlich immer schlauer. Als Ende 2012 der zweite "Tatort" aus Dortmund mit Ruhrpott-Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) über die Bildschirme ging, war der Aufschrei groß. Die Methoden und Launen des Ermittlers waren einigen Kritikern und Zuschauern zu abgedreht und exzentrisch. Die Polizeigewerkschaft von NRW polterte: "Wer sich so verhält, würde im echten Leben sofort aus dem Verkehr gezogen. Bei der Polizei hat er nichts zu suchen." Bei der Polizei vielleicht nicht, im "Tatort" aber garantiert. Mittlerweile gehören Faber und sein Team zu den Kritiker-Lieblingen, zur Elite des deutschen TV-Krimis. Auch der jüngste Fall "Auf ewig Dein" erhielt erneut Bestnoten.

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Dieser Umstand ist zum einen natürlich Hartmann selbst zu verdanken, der diesem Wrack von einem Polizeikommissar eine glaubwürdige Hülle und Seele gibt. Vor allem am Anfang völlig wahnsinnig und explosiv, zuletzt aber auch verletzlich und kollegial. "Natürlich wird aus ihm nie ein normaler Kommissar werden", sagt Hartmann über seinen Faber. "Er bleibt eine tickende Zeitbombe, die jederzeit wieder wüten kann."

Im Unterschied zu den ersten beiden Filmen sei sich Faber dieser Tatsache nun aber selbst bewusst - und auch, dass er Hilfe braucht. Nach den Ereignissen in "Auf ewig Dein" kann seine Figur nun beginnen, das persönliche Trauma - Frau und Kind wurden bei einem Autounfall getötet - aufzuarbeiten. Auch das restliche Ermittler-Team kann überzeugen: Anna Schudt als Hauptkommissarin Martina Bönisch, Stefan Konarske spielt Polizeioberkommissar Daniel Kossik und Aylin Tezel, die Polizeioberkommissarin Nora Dalay verkörpert.

Hinter der Entwicklung des Vierergespanns steht Autor Jürgen Werner, der zu allen vier bisherigen Fällen die Drehbücher geschrieben hat. "Es werden die letzten offenen Fragen beantwortet und eine Basis geschaffen, die neue Entwicklungen möglich macht." Die Folgen-übergreifende Erzählform war bisher vor allem in US-Serien üblich. So langsam nähert sich das Lieblingsformat der Deutschen also dem großen Vorbild an. "Es war von Anfang an klar, dass wir über vier Folgen sprechen und die ersten Horizontalen bis dahin zu Ende erzählen", so Werner. "Nach Ausstrahlung der ersten beiden Folgen haben wir uns zusammengesetzt und besprochen, was hat gut funktioniert, was weniger."

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