Ab September wird Jenny Jürgens (48) das neue Gesicht der Telenovela "Rote Rosen" (neue Folgen ab 3. September, 14:10 Uhr im Ersten). Als Jana Greve kehrt sie nach vielen Jahren im Ausland zurück in ihre Heimat Lüneburg und wird mit der Vergangenheit konfrontiert, denn neben alten Freunden trifft sie auch auf ihre Jugendliebe.

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Auch Jenny Jürgens blickt gelegentlich gerne zurück - noch lieber ist sie allerdings im Hier und Jetzt. Denn obwohl sie mit ihrem berühmten Vater Udo einst sogar im Duett sang, hat sie sich seitdem eigenständig zu einer gefragten Bühnen- und Fernsehschauspielerin abseits des Rampenlichts entwickelt. Der Nachrichtenagentur spot on news verriet die Schauspielerin, warum sie so selten Einladungen zu Events annimmt und wie ihre Kindheit mit einem berühmten Papa verlief.

Was hat Sie dazu bewegt, bei einer Telenovela mitzuspielen?

Jenny Jürgens: Die Gelegenheit, ein Jahr lang eine Hauptrolle einer täglichen Serie bei der ARD zu spielen - das ist eine tolle Chance und tolle Arbeit. Ich möchte mal den Schauspieler sehen, der es sich in der heutigen Zeit erlauben kann, zu sagen: "Brauch ich nicht, mach ich nicht" - wobei es die sicherlich gibt. Man muss natürlich auch wissen, worauf man sich da einlässt.

Wie meinen Sie das?

Jürgens: Es ist ein enormes, wahnsinniges Pensum, was man da zu absolvieren hat. Wir drehen jeden Tag eine Folge, und an den Wochenenden lerne ich über hundert Seiten Text. Schauspieler, die so ein Format noch nie gedreht haben, hätten wahrscheinlich ernsthafte Probleme, das zu packen. Man muss schon ein bisschen dafür geschaffen sein. Aber ich bin glücklich, dass ich diese Arbeit machen kann. Es ist fantastisch, als Schauspieler ein Jahr lang seinen Beruf ausüben zu dürfen - das ist heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr.

Für die Rolle sind Sie sogar nach Lüneburg gezogen.

Jürgens: Ich bin nicht wirklich umgezogen, ich habe hier nur eine Produktionswohnung. In zehn Monaten bin ich wieder weg. Mein Zuhause ist nach wie vor in Düsseldorf und in Spanien. Das bleibt alles bestehen.

Bei der Pendelei zwischen Düsseldorf und Mallorca - was würden Sie als ihre wahre Heimat bezeichnen?

Jürgens: Warum muss ich mich da entscheiden? Ich empfinde beide Städte als meine Heimat. In Düsseldorf lebe ich nun seit 20 Jahren. Natürlich habe ich da ganz starke heimatliche Gefühle. Aber mit Mallorca habe ich eine ganz tiefe, seelische Verbindung, weil dort die Wohnung ist, die ich mit dem Mann bewohne, den ich liebe. Das hat natürlich nochmal eine ganz andere Emotionalität. Aber ich würde dennoch beides als Heimat bezeichnen.

Bei ihrer Staffel von "Rote Rosen" wird es unter anderem um Zurückkehren gehen. Wie sehr beschäftigen Sie sich mit ihrer Vergangenheit? Blicken Sie gerne zurück?

Jürgens: Ich habe viele schöne Gründe, um zurückzublicken. Aber ich mache das nur begrenzt. Ich beschäftige mich lieber mit der Gegenwart und der Zukunft. Ich finde, die Vergangenheit ist gelebtes Leben. Es ist schön, zurückzuschauen, denn ich habe sehr viel Glück gehabt in meinem Leben und sehr viele positive Dinge erlebt. Trotzdem gibt es für mich keinen Grund, mich ständig damit zu befassen. Dafür sind der Alltag und die Gegenwart viel zu aufregend und zu spannend.

Eine gewöhnliche Kindheit hatten Sie mit ihrem berühmten Vater sicherlich nicht. War es schwierig, negative Schlagzeilen über ihn zu lesen?

Jürgens: Dieser Teil unserer Kindheit war natürlich oft anstrengend und mühsam. Aber trotz allem haben unsere Eltern, insbesondere unsere Mutter, es geschafft, uns eine sehr stabile Kindheit zu ermöglichen. Sonst wären wir heute nicht so, wie wir sind. Wir haben von beiden Eltern sehr viel Liebe bekommen, hatten einen geregelten Tagesablauf und immer schön gelebt. Das ist das Entscheidende. Die mediale Berichterstattung über meinen Vater möchte ich wiederum nicht medial kommentieren. Wir wissen das innerhalb der Familie und haben darüber geredet. Oft lag die Schuld auch gar nicht bei ihm. Oft muss man sich schon überlegen, wem man eher den Vorwurf macht - meinem Vater oder der Medienwelt.

Sie spielen in "Rote Rosen" eine Mutter, haben selbst aber keine Kinder. Woran liegt das?

Jürgens: Das war damals eine bewusste Entscheidung, die ich bis heute in keinster Weise bereue. Mein Leben ist eben ohne Kinder verlaufen, und das ist total in Ordnung so. Das bedeutet übrigens nicht, dass ich Kinder nicht mag. Es hätte nur in meiner damaligen Beziehung nicht gepasst. Mein Lebensgefährte David Carreras hat aber zwei Kinder, und mein Bruder hat drei, also komme ich dennoch in den Genuss, viel Kontakt zu Kindern zu haben. Ich glaube sogar, wenn ich David früher kennengelernt hätte, hätte ich vielleicht sogar Kinder gehabt, weil er einfach anders tickt. Er hätte das auf jeden Fall gewollt. Es schmerzt mich aber nicht, kinderlos zu sein. Ich bin wirklich sehr glücklich so, wie es ist.

Sie hatten nie das Gefühl, dass Ihnen etwas fehlt?

Jürgens: Nein, überhaupt nicht. Es wird ja oft suggeriert, dass Frauen, wenn sie kinderlos sind, nicht ganz vollkommen sind. Das finde ich totalen Quatsch. Ich kenne viele Frauen, die keine Kinder haben und absolut vollkommen sind.

Mit ihrem berühmten Nachnamen bekommen Sie sicherlich Einladungen zu allen möglichen Events... Weshalb sieht man Sie dennoch so selten im Rampenlicht?

Jürgens: Das Rampenlicht ist in Ordnung, wenn es um meine Arbeit geht. Doch nur aufgrund der Berühmtheit meines Vaters ständig in der Öffentlichkeit zu stehen, interessiert mich gar nicht. Das liegt einfach nicht in meiner Natur. Im Gegenteil, ich hatte oft genug mit der Prominenz meines Vaters zu kämpfen gehabt, und damit, ständig darauf reduziert zu werden, da füttere ich das nicht noch. Mittlerweile habe ich das Problem aber auch nicht mehr. Ich bin 48 Jahre alt und habe mein eigenes Leben. Da fände ich es grotesk, mich über die Prominenz meines Vaters zu definieren. Ich habe meine eigene Identität gefunden und definiere mich nicht mehr über meinen Vater.