Hans-Werner Meyer (49, "Kleine Schiffe") ist seit 2006 ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Schauspielergewerkschaft, dem Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS). Warum das nötig ist, hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt. Erklärt hat der Schauspieler auch, ob Thema und Ausstrahlungstermin der ersten Folge der neuen Staffel "Letzte Spur Berlin" (ZDF) Zufall sind.

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Von heute, beziehungsweise Freitagabend an ist Meyer darin wieder als Kriminalhauptkommissar Oliver Radek zu sehen. ZDFneo strahlt die zwölf Folgen jeweils mittwochs um 21.45 Uhr aus, das ZDF immer freitags um 21.15 Uhr. Los geht's mit einem sehr aktuellen Fall: Die russische Journalistin und Regimekritikerin Anna Alexandrowna steht kurz vor der Veröffentlichung ihres Lebenswerks, in dem sie nicht nur die russische Staatsmacht, sondern auch ihre Methoden hart kritisiert. Doch an ihrem großen Tag bleibt das Rednerpult leer, und ihr Ehemann meldet Anna als vermisst.

In der Folge "Staatsfeindin" geht es um eine verfolgte russische Schriftstellerin. Ist der Zeitpunkt bewusst kurz nach den umstrittenen Olympischen Spielen in Sotchi gewählt?

Hans-Werner Meyer: Nein. Wie so viele Themen dieser Serie bekommt auch dieses eine unverhoffte Aktualität, die nicht geplant war oder hätte geplant werden können. Wann die Spiele in Sotchi sein würden, war zwar bekannt, aber nicht das Ausmaß der Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Revolution in der Ukraine war nicht vorhersehbar. Ebenso wenig die Ausmaße des NSA-Abhör-Skandals oder die gerade wieder viel diskutierte Organtransplantations-Thematik und die Frage, wie sicher die sogenannte "Hirntod"-Diagnose wirklich ist. Aber die Themen sind ja eigentlich immer aktuell. Ab und zu fällt ein aktuelles Schlaglicht auf sie, und sie sind plötzlich allgegenwärtig. Unsere Autoren haben möglicherweise eine feine Nase dafür, wann es wieder so weit sein wird.

Stellenkürzungen und Einsparungen sind ein weiteres Thema in der ZDF-Serie. Sie sind Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler: Brauchen Schauspieler wirklich eine Gewerkschaft?

Meyer: Einsparungen sind nicht nur ein Thema dieser Staffel, sondern unsere tägliche Realität. Gerade hat die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten verkündet, die Rundfunkgebühren ohne Qualitätsverlust des Programms senken zu können. Da diese Qualität inzwischen aber bekanntermaßen nur noch durch massive Selbstausbeutung der freien Film- und Fernsehkreativen gehalten werden kann, ist diese Aussage ein Schlag ins Gesicht der Filmschaffenden, die seit Jahren auf den Skandal hinweisen, dass es inzwischen üblich ist, eine genau definierte Qualität zu bestellen, aber nicht zu bezahlen. Unter anderem deswegen brauchen wir eine Schauspielergewerkschaft. Und zwar dringender denn je.

Sie setzen sich auch dafür ein, das Bild vom gutverdienenden, verhätschelten Schauspieler geradezurücken. Wie schwer haben es Schauspieler in Deutschland?

Meyer: Schauspieler haben es in allen Ländern schwer, solange sie nicht zu den Stars gehören, und selbst dann ist es ja meistens ein zeitlich begrenzter Zustand. Aber in diesem Land war bislang so gut wie nichts geregelt. Folgevergütungen und Gagenuntergrenzen waren bisher reine Gefälligkeiten der Sender, die in schwierigen Zeiten wie diesen auch sofort wieder einkassiert wurden. Derzeit müssen Schauspieler mit Einkommenseinbußen bis zu 50 Prozent leben und das in einem sozialen Netz, das nicht für ihre komplizierten, wechselhaften Arbeitsverhältnisse gemacht ist. Zirka 70 Prozent der Schauspieler in diesem Land leben von unter 30.000 Euro im Jahr, 60 Prozent sogar von unter 20.000 Euro, nur etwa 4 Prozent verdienen über 100.000 Euro im Jahr.

Angenommen, Ihre Kinder würden auch vor die Kamera wollen, wovor würden Sie sie warnen?

Meyer: Vor falschen Erwartungen. Diesen Beruf sollte nur ergreifen, wer sich entschieden hat, sich durch nichts und niemand davon abhalten zu lassen. Wer auf Ruhm und ein angenehmes Leben spekuliert, sollte die Finger davon lassen. Das gilt natürlich auch für meine Kinder.

In welcher Rolle sehen Ihre Kinder Sie am liebsten?

Meyer: In der des Spiel- und Verhandlungspartners.