Gestern war es soweit: "Das Supertalent" ist in seine siebte Saison gestartet. Wirklich gewartet hat darauf aber scheinbar niemand mehr. Wollten im Vorjahr noch 3,45 Millionen Zuschauer (19- bis 49-Jährige) den Staffel-Auftakt sehen, waren es jetzt nur noch 2,75 Millionen, wie "meedia.de" berichtet. Die sich seit Jahren abzeichnende Talfahrt geht weiter. Zum Vergleich: 2010 holte die RTL-Casting-Show noch 4,51 Millionen Zuschauer vor die TV-Geräte.

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Deshalb sollte mit der siebten Staffel auch alles anders werden. Doch eigentlich blieb alles gleich. Diesen Eindruck konnte gestern Abend gewinnen, wer "Das Supertalent" auf RTL gesehen hat. Gut, neben Ur-Gestein Dieter Bohlen (59) sitzen nun mit Model Lena Gercke (25), TV-Heulsuse Bruce Darnell (56) und dem "Shopping Queen"-Designer Guido Maria Kretschmer (38) neue Promis in der Jury. Auch die neuen grünen und der goldene Buzzer sind dem geneigten Zuschauer vielleicht aufgefallen. Aber all das ist nur Kosmetik am Rande.

Was zählt ist auf der Bühne. Und da gab es wieder die gleiche Mixtur wie in den Jahren zuvor: Neben talentfreien und an Selbstüberschätzung leidenden Kandidaten gab es auch die rührseligen Auftritte. So begeisterte die 3-jährige Vanessa das Publikum, indem sie selbstbewusst wie ein alter Show-Hase auf der Bühne aus Konfetti einen Kuchen zauberte. Oder der 70-jährige Rainer Felsen, der dem sonst so harten Pop-Titanen Bohlen ein paar Tränchen entlockte. Aber nicht wegen seines Auftritts mit einer Klarinette, sondern weil dieser Mann der Entdecker von Dieter Bohlen ist und sich die beiden seit 35 Jahren nicht mehr gesehen haben.

Um die Melancholie auf die Spitze zu treiben, untermalte RTL diesen Auftritt noch mit besonders rührseliger Musik von Unheilig. Spätestens da sollte jeder Zuschauer merken, was Bruce Darnell danach feststellte: "Das war ein Magic Moment". Respekt RTL - das war ein guter Schachzug. Nur wird es schwer, da noch einen draufzusetzen.

Backstage versuchte Daniel Hartwich (35) Stimmen und Stimmung einzufangen und bereitete die TV-Zuschauer darauf vor, ob nun gleich ein Top- oder Flop-Auftritt kommt. Denn wer Sätze hört wie "mir wurde in der Grundschule musikalisches Talent attestiert", der braucht nur eins und eins zusammenzählen, um zu wissen, was gleich auf der Bühne passiert.

Die Zutaten sind also nach wie vor dieselben: Man nehme Dieter Bohlen, setze ihm ein paar Adjutanten an die Seite und lasse auf der Bühne Drama, Faszination und unfreiwillige Komik im Wechsel stattfinden. Hinter den Kulissen wuselt dann noch Hartwich um die Casting-Teilnehmer und entlockt ihnen teils peinliche Aussagen. Vielleicht müssen die Zutaten nicht nur ausgetauscht, sondern das Rezept umgeschrieben werden.