Sowohl seine Filmografie, als auch seine Theater-Bilanz ist beeindruckend. Uwe Kockisch (69) ist ein echter Vollblutschauspieler, ausgezeichnet mit dem Grimme- und dem Deutschen Fernsehpreis. Trotz aller Vielfalt wird er vor allem mit dem italienischen Commissario Guido Brunetti aus der Donna-Leon-Reihe in Verbindung gebracht. Eine Figur mit so einigen Parallelen zum privaten Kockisch, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verriet.

Warum lebt der Brunetti-Darsteller privat in Madrid und nicht in Venedig?

Ich arbeite nun schon seit zehn Jahren in Venedig und genieße es jedes Mal sehr, weil mir die Stadt immer vertrauter wird. In Madrid lebe ich, weil meine Frau dort lebte, als wir uns kennenlernten.

Sind Sie privat genauso mit dem Beruf verheiratet wie Ihr Rollencharakter?

Ja, bei mir wird alles dem Beruf untergeordnet. Den Rhythmus bestimmt die Arbeit. Ich kann keine Sachen absagen, die mir Spaß machen, nur um Urlaub zu haben. Dafür liebe ich meine Arbeit zu sehr. Deswegen hatte ich auch nie so viel Zeit für meine Kinder wie andere Väter. Und bei meinen drei Enkelkindern ist das leider auch nicht anders. Mein Enkelsohn ist eineinhalb Jahre alt und ich habe ihn leider erst zweimal gesehen. Ansonsten immer nur via Skype. Gott sei Dank gibt es diese Bildtelefonie, ansonsten könnte ich meinen familiären Pflichten gar nicht nachkommen.

Ist Ihre Partnerin genauso verständnisvoll wie Ihre Film-Ehefrau?

Meine Frau ist besser. Sie ist Buddhistin. Die ist eine Stufe weiter als unsereins. Da gibt's kein Gemecker und Rumgezicke.

Wohl gewählt!

Konnte ich nichts für, ich bin von einem Uraltfreund in Madrid mit ihr verkuppelt worden. Nach Strich und Faden - ohne, dass ich was ahnte und vor allem was wollte. Ich war eigentlich in einer Phase, in der ich mit dem Thema Frauen abgeschlossen hatte. Ich hatte es gerade geschafft, diesen Stressfaktor aus meinem Leben zu verbannen, da kam Christine daher. Und alle guten Vorsätze waren dahin. Zwei Wochen später bin ich zu ihr nach Madrid gezogen. Das funktioniert seit sieben Jahren wunderbar.

Sind Sie ein anstrengender Partner?

Mehr als das. Weil es mit mir nie langweilig oder oberflächlich wird. Ich bin ein guter Beobachter und packe gerne alles auf den Tisch, was ich so sehe oder fühle, manchmal gehe ich da ein bisschen zu weit.

Ein unbequemer Geist, obwohl Sie nächstes Jahr schon den 70. Geburtstag feiern.

Alles blöde Stasi-Propaganda, in Wirklichkeit werde ich noch viel älter. (lacht) Das Thema Alter hat mich nie interessiert. Midlife-Crisis habe ich auch ausgelassen.

Nie Harley gefahren?

Nein, weil Harley mir viel zu langsam ist. Wenn ich so einen Wunsch hätte, dann wäre es ein Lamborghini. Das wäre was nach meinem Geschmack.

Hat der TV-Kommissar etwa Punkte in Flensburg?

Nein, auch mein polizeiliches Führungszeugnis ist sauber. Ich galt in der DDR als vorbestraft, also kriminell, weil ich bei einem Fluchtversuch festgenommen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Die Vorstrafe wurde nach der Wende gelöscht. Ich bin ein überzeugter Nichtkrimineller. Ich finde Kriminelle nicht so spannend, wie sie im Film gerne dargestellt werden. Egal ob Lucky Luciano, Meyer Lansky oder Michael Corleone, ich kann für diese asozialen Gangster keine Sympathie empfinden. Was soll denn heroisch daran sein, Menschen zu verletzen und auszurauben? Insofern gebe ich gerne den Commissario Brunetti - aus ganzem Herzen und voller Überzeugung!