Sieben Jahre nach ihrem gemeinsamen Quotenhit "Die Sturmflut" stand Benno Fürmann (41) wieder gemeinsam mit Nadja Uhl (41) vor der Kamera. In dem Sat.1 Event-Film "In einem wilden Land" (Dienstag, 20.15 Uhr) machen sich die beiden auf in den Wilden Westen, um in Texas ein neues Leben zu beginnen. Fürmann glänzt als Oberst Graf Arnim von Hohenberg, machtbesessener Gatte der preußischen Gräfin Cecilie von Hohenberg (Nadja Uhl). Wie sehr er seine Rolle als Bösewicht genossen hat, warum ihm Pferde eine Heidenangst machen und warum er überhaupt kein Problem mit dem Älterwerden hat, verrät Fürmann im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Auch Benno Fürmann fing mal klein an. In der Kultserie "Und tschüss!" gab er den Ruhrpott-Proleten Günni - alle Folgen gibt es in dieser DVD-Box

Herr Fürmann, im Event-Streifen "In einem wilden Land" spielen Sie den Bösen. Sind Sie gerne der Bösewicht?

Benno Fürmann: Klar, der Bösewicht zu sein, macht immer Spaß. Das Böse hat immer so eine Umtriebigkeit und schmiedet Pläne. Das ist spannend, zu spielen. Ich glaube auch nicht, dass jemand von Natur aus böse ist. Wir alle haben unsere Gründe und Geschichten, die uns zu dem machen, was wir sind. Bei meiner Filmrolle Arnim ist es dieses permanente zu kurz kommen. Er fordert auf brachiale Art und Weise Respekt ein und will sich das vom Leben holen, was ihm bisher verwehrt wurde.

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Dreh?

Fürmann: Auf jeden Fall das Reiten und die Kostüme. Die preußische Uniform mit ihren Leggins, Stiefeln und dem Säbel, den man sich immer zwischen die Beine haut. Und natürlich diese länglichen, hochstehenden Hüte und der Stehkragen. Man ist sehr eingeschnürt, was aber auch dazu führt, dass man automatisch diese preußische Haltung einnimmt. Mit Pferden fühle ich mich nie besonders wohl. Ich finde die einfach unheimlich groß. Wenn ich mir meinen Bizeps anschaue und dann so einen Pferdeschenkel, kann ich diesen Gedanken nie ausklammern: Wenn dich das Pferd abwerfen will, dann tut es das und zwar sehr hoch, sehr weit und sehr schmerzhaft.

Ein Reiter aus Leidenschaft werden Sie also nicht mehr?

Fürmann: Nein. Aber meine Tochter reitet. Ich werde sie jetzt ab und zu mal begleiten. Und wer weiß, vielleicht führen wir das nächste Interview ja dann vom Rücken eines Pferdes aus. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten (lacht).

Der Film spielt im Wilden Westen, sind Sie selbst ein Western-Fan?

Fürmann: Ich liebe Western! Als Kind habe ich gerne Cowboy und Indianer gespielt. Ich weiß nicht, wie oft ich im Kinderzimmer oder auf dem Schulhof gestorben und wieder aufgestanden bin. Und dann spielst du so was auf einmal als Erwachsener. Da muss man dann schon lachen. Es ist unglaublich schwer, den Tod glaubhaft darzustellen, weil er von diesen Kinderspielen schon so besetzt ist.

Viele Ihrer Kollegen führen auch Regie, wäre das nichts für Sie?

Fürmann: Nein, das wäre nicht gut für meine Nerven. Dafür ist die Schauspielerei zwar auch nicht geeignet, aber sie hat den Vorteil, dass ich nicht tausende Fragen am Tag beantworten muss. Als Schauspieler kann ich zum Regisseur gehen und mir einen Rat holen. Als Regisseur muss ich diese Fragen selbst beantworten. Davor habe ich unheimlich Respekt. Ich hoffe, dass ich in Zukunft irgendwann mal vielleicht das ein oder andere Türchen aufmache, das gar nicht unbedingt etwas mit dem Filmkosmos zu tun hat. Weil ich dem zwischendurch auch gerne entfliehe, um dann umso lieber wieder zurückzukommen.

Ein Türchen haben Sie ja schon gefunden: Ihr Engagement für die Flüchtlinge im Südsudan.

Fürmann: Ja, ich bin seit vielen Jahren Unterstützer von Amnesty International. Ich finde, wir schotten uns als EU ab. Wir proklamieren eine Insel der Humanität, die wir aber oft nicht sind. Wir lassen die Menschen an unseren Außengrenzen abperlen. Viele Menschen hatten unheimliches Pech bei der Geburtenlotterie. Sie sind an einem Ort geboren, an dem sie nicht sein können. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir stärker bei dem Aufbau eines Asylsystems helfen, das Menschen nicht wie Schwerverbrecher inhaftiert, sondern einen fairen Zugang zu einem Asylverfahren ermöglicht. Ich habe im Südsudan selbst Flüchtlingslager besucht und daraufhin einen Spendenaufruf unter benno.betterplace.org gestartet. Die Gelder werden hier nach wie vor dringend benötigt in Form von Medizin, Nahrung und vielem mehr.

Ihr Engagement aber vor allem auch Ihr gutes Aussehen machen Sie zum Frauenschwarm. Bekommen Sie denn viele Liebesbriefe, Heiratsanträge...?

Fürmann: Ja, ich bekomme schon relativ viel Post. Aber ich treffe mich nicht mit anderen Kollegen und vergleiche die Mengen. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht gleich zurückschreibe.

Was tun Sie für Ihr Äußeres, machen Sie viel Sport?

Fürmann: Ja, ich mache relativ viel Sport. Je nachdem, wie viel Zeit ich habe. Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich mich bewege. Mein Körper braucht das auch. Um mein Gerüst fit zu halten, gehe ich laufen oder zum Boxen.

Es schleichen sich ja schon ein paar graue Härchen in Ihren Bart...?

Fürmann: Das ist nett gesagt (lacht). Mittlerweile sind sie in der Überzahl. Ich mag das aber. Mich stört dieser Alterungsprozess nicht. Ich bin eher verwundert, wie schnell es geht. Innerhalb von ein paar Monaten waren plötzlich unheimlich viele weiße Haare da.

Sie haben also kein Problem mit dem Älterwerden?

Fürmann: Nein. Ich bin munter und mein Körper funktioniert so, wie ich es mir wünsche. Wenn dem nicht mehr so ist, dann fangen die wirklichen Probleme an. Wenn du dir selber nicht mehr die Schuhe zumachen kannst, dir ständig irgendwas zerrst oder sonst irgendwelche Wehwechen hast. Dann würde die gute Laune, die man als Mensch so an den Tag legt, zumindest bei mir aufs Ärgste strapaziert. Soweit ist es Gott sei Dank noch nicht.

Sie können also locker noch mit ihrer Tochter mithalten. Sind Sie denn ein strenger Vater?

Fürmann: Ja und nein. Ich glaube, ich gebe ihr auf jeden Fall einen stabilen Rahmen. Es gibt ganz klare Grenzen. Auf der anderen Seite kenne ich keinen Menschen, der mich so oft um den Finger wickelt wie sie. Ich lasse mich von ihr aber auch gerne überzeugen, wenn sie argumentativ stärker ist als ich. Und sie ist auf einen sehr guten Weg dahin.