Millionen Zuschauer kennen ihn aus der Erfolgsserie "Türkisch für Anfänger": Adnan Maral. Der gleichnamige Kinofilm gehörte zu den größten Erfolgen im Jahr 2012. Mit "Einmal Hans mit scharfer Soße" versucht der 45-Jährige nun an diesen Erfolg anzuknüpfen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news plaudert der Deutsch-Türke über kulturelle Missverständnisse, die Macht des Lachens und die Liebe zur Familie.

Seine Gedanken über 40 Jahre deutsch-türkischer Integration teilt Adnan Maral in "Adnan für Anfänger: Mein Deutschland heißt Almanya" mit dem Leser. Das Buch können Sie hier vorbestellen

Sie sind der bekannteste deutsch-türkische Schauspieler im deutschen Film- und Fernsehgeschäft. Fühlen Sie sich mittlerweile als der Quotentürke?

Adnan Maral: Nein, gar nicht. Früher gab es zwar vermehrt Rollen, die einen typischen Klischeetürken beschrieben haben und von bestimmten Vorurteilen geprägt waren. Aber Deutschland und damit auch das deutsche Fernsehen und die Filmlandschaft haben sich weiterentwickelt. Mittlerweile hat man begriffen, dass ein großer Teil der deutschen Gesellschaft einen Migrationshintergrund hat und akzeptiert diesen als wichtigen Bestandteil dieses Landes. So werden nun keine Klischees mehr bedient, sondern schöne authentische Geschichten erzählt, die türkischstämmige Personen im Mittelpunkt haben. Und falls doch überholte Rollenangebote eingehen, lehne ich diese einfach ab - darauf habe ich keinen Bock.

Fühlen Sie sich vollständig integriert?

Maral: Integriert? Das stand für mich nie zur Debatte. Ich habe meine Nationalität nie als ein Problem angesehen, deshalb war das für mich nie ein Thema. Allerdings wurde diese Frage oft von anderen an mich herangetragen. Darauf meinte ich nur, ja, ich bin integriert, und was jetzt?

Ist Ihnen eine positive Resonanz von Menschen mit Migrationshintergrund wichtig?

Maral: Das ist eine gute Frage, da ich es äußerst wichtig finde, dass sich auch dieser Teil der Gesellschaft mit dem deutschen Fernsehen identifizieren kann. Gerade die öffentlichen Medienanstalten haben die Aufgabe, die Lebenswirklichkeit widerzuspiegeln, weshalb es essentiell ist, diese Gruppe auch authentisch zu repräsentieren. Bei Komödien finde ich es schön, wenn sowohl der Deutsche als auch der Deutschtürke zusammen über die überzeichneten Beobachtungen lachen können, ohne sich beleidigt zu fühlen. So gelingt es äußerst gut, mit Humor bestimmte unbegründete Abneigungen aufzuzeigen und somit deren Abstrusität offen zu legen. Außerdem ist es mir ein Anliegen, dass sich die Leute in meinen Film-Figuren wiederfinden.

Humor hilft also bei der Völkerverständigung?

Maral: Ja, um bestimmte Klischeebilder zu durchbrechen. Auch bei "Einmal Hans mit scharfer Soße" erkennt man, wie Eindrücke täuschen können. So wirkt meine Rolle des Ismael zunächst sehr traditionell und konservativ, was jedoch nur eine Fassade ist, hinter der er seine Sorgen um seine Tochter verbirgt. Denn eigentlich dreht sich Ismails Leben um seine Familie und er hat nur das Glück seiner Tochter im Auge. Sprich, ganz alltägliche und sozusagen internationale Anliegen.

Haben Sie solche Erfahrungen auch im Privaten schon gemacht?

Maral: Natürlich! Zwar sind meine Kinder noch nicht in dem Alter, dass ich mir Gedanken um die richtige Partnerwahl machen muss, aber Sorge und Liebe gegenüber seinen Kindern verspürt man immer.

Sind die Figuren im Film also realitätsnah?

Maral: Eigentlich schon, aber natürlich sind sie auch überzeichnet. Immerhin ist es eine Komödie, die nur 100 Minuten dauert, somit ist es notwendig, die Charaktere an manchen Punkten überspitzt darzustellen. Allerdings habe ich mir persönlich eine reale Person als Vorbild für meine Darstellung genommen. Ich habe mich zum Beispiel auch an meinem Vater orientiert, und seine Bewegungen und Art - wie die von anderen, die ich kenne - teilweise übernommen. Somit war meine Rolle des ca. 20 Jahre älteren Ismail letztendlich sehr real.

Welche typisch türkischen Eigenschaften haben Sie noch?

Maral: Meine orientalische Seele hat noch immer Probleme mit der Pünktlichkeit und der sehr strikten Regelauslegung im Straßenverkehr. So komme ich schon einmal bei dem einen oder anderen Termin zu spät oder halte nicht alle Fristen ein. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit Charme und Freundlichkeit einiges erreichen kann. So lassen sich durch Kommunikationsbereitschaft und Offenheit viele Missverständnisse aufklären.

Dies wäre wohl auch ein passender Ansatz für den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan...

Maral: Ja, das ist schwierig. Ich wünsche mir eine demokratische Türkei mit einer Meinungs- und Pressefreiheit. Mit der Politik, die aktuell in der Türkei betrieben wird, habe ich schon ein Problem.

Befürchten Sie, dass dadurch das Ansehen der türkisch-stämmigen Menschen in Deutschland geschädigt wird?

Maral: Warum? Das kann ich mir nicht vorstellen, denn die Leute hier sind ja nicht verantwortlich für die Politik in der Türkei. Ich würde in Deutschland auch nicht zu einem Russen oder Ukrainer gehen und diese für die Krise in ihren Ländern verurteilen. Man hat im Leben ja eine gewisse Verantwortung: Wir müssen uns einfach unabhängig von Herkunft und Hautfarbe um gegenseitigen Respekt bemühen und mit dieser Einstellung diskutieren. So würden viele Probleme sehr schnell der Vergangenheit angehören.