Dortmund
Attentat

Bombenanschlag auf BVB-Bus: Prozess um eine mörderische Wette

Drei Splitterbomben erschüttern den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, zwei Menschen werden verletzt. Das mutmaßliche Motiv ist ungeheuerlich.
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Drei Splitterbomben erschüttern den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, zwei Menschen werden verletzt. Das mutmaßliche Motiv ist ungeheuerlich. Foto: Marcel Kusch/dpa
Drei Splitterbomben erschüttern den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, zwei Menschen werden verletzt. Das mutmaßliche Motiv ist ungeheuerlich. Foto: Marcel Kusch/dpa
Dort, wo Fußball wie kaum irgendwo sonst gelebt wird, herrschten am Abend des 11. April eine beängstigende Stille, Leere und Angst. Zehntausende Fans von Borussia Dortmund hatten sich im Signal-Iduna-Park auf die Champions-League-Partie gegen den französischen Vertreter AS Monaco gefreut - und mussten nun einen Schock verdauen: Auf den Mannschaftsbus der Borussen war ein Bombenanschlag verübt worden.

Die fieberhafte Suche nach dem Täter hat Erfolg. Von Donnerstag an richten sich die Augen der Fußballwelt auf das Dortmunder Landgericht. Dort wird dem mutmaßlichen Attentäter der Prozess gemacht.


Tatmotiv: Habgier


Mehr als 50 Journalisten aus dem In- und Ausland werden zum Verhandlungsauftakt erwartet. Darüber hinaus richtet sich das Gericht auf lange Wartezeiten für die ebenfalls rund 50 Sitzplätze für Zuschauer ein.

Der Angeklagte, der 28-jährige Sergej W., wohnte zuletzt in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg). Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 28-fachen Mordversuch und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Heimtückisch, aus Habgier und mit gemeingefährlichen Mitteln habe der Elektrotechniker gehandelt, so die Anklage. W., der 2003 seine russische Heimat verlassen hat und inzwischen einen deutschen Pass besitzt, soll bisher jedoch erklärt haben, er habe in Dortmund lediglich Urlaub gemacht.


Drei selbst gebaute Sprengsätze


Die Ermittler sind davon überzeugt, dass der 28-Jährige am 11. April drei selbst gebaute Sprengsätze in einer Hecke am Mannschaftshotel des BVB im Dortmunder Süden deponiert hat. Als das Team schließlich gegen 19 Uhr für die Fahrt zum Stadion eingestiegen war und der Bus sich langsam in Bewegung setzte, soll er die Bomben mithilfe von Fernzündern zur Explosion gebracht haben.

Metallsplitter flogen als todbringende Geschosse durch die Luft. Viele drangen in den Bus ein und verletzten dort BVB-Abwehrspieler Marc Bartra, der mit einem Bruch des Unterarms ins Krankenhaus gebracht werden musste. Ein Polizist, der den Bus auf einem Motorrad begleiten sollte, erlitt ein Knalltrauma. Das Fußballspiel wurde abgesagt und erst am nächsten Abend nachgeholt.


Wette auf fallende Kurse


Sergej W. soll den Tod von 28 Menschen in Kauf genommen haben, um selbst ein reicher Mann zu werden. Der BVB ist der einzige Fußballverein in Deutschland, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Laut Anklage kaufte W. in der Woche vor dem Anschlag für über 26 000 Euro Optionsscheine und Kontrakte - und schloss mit diesen sozusagen eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie ab. Wäre der Kurs tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige über eine halbe Million Euro Gewinn gemacht.

Zehn Tage nach der Tat wurde W. festgenommen, nachdem die auffälligen Finanzgeschäfte durchleuchtet worden waren. Am Tattag soll der 28-Jährige ein Zimmer im Mannschaftshotel "L'Arrivee" bewohnt haben. Außerdem fanden die Ermittler offenbar Hinweise darauf, dass er vor dem Anschlag zahlreiche Elektroartikel gekauft hatte, die für den Bau einer Bombe verwendet werden könnten. Für den Prozess hat das Dortmunder Schwurgericht 18 Verhandlungstage bis zum 28. März angesetzt. Mehrere Spieler von Borussia Dortmund haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen.