Lutherstadt Wittenberg
Knapp 2,5 Promille

ICE-Lokführer rast betrunken an Bahnhof vorbei

Trotz eines geplanten Halts in Wittenberg ist ein ICE am Dienstagabend am Bahnhof vorbeigerauscht. Wie sich herausstellte, war der Fahrer stark betrunken. Die Bundespolizei zog ihn wenig später aus dem Verkehr.
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In Bitterfeld zogen die Bundespolizisten den Lokführer schließlich aus dem Verkehr. Zuvor war er alkoholisiert am Steuer des ICE an Wittenberg vorbeigefahren. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
In Bitterfeld zogen die Bundespolizisten den Lokführer schließlich aus dem Verkehr. Zuvor war er alkoholisiert am Steuer des ICE an Wittenberg vorbeigefahren. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Mit knapp 2,5 Promille ist ein betrunkener ICE-Lokführer an Wittenberg vorbeigerauscht. Der Zugchef habe dann Bundespolizisten angesprochen, die in dem ICE saßen - und in Bitterfeld sei der Lokführer wenig später herausgeholt worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Pirna am Mittwoch. Er bestätigte einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung".

Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend im ICE 993 von Hamburg nach Leipzig. Der Lokführer sei in Bitterfeld abgelöst worden, teilte die Deutsche Bahn auf Anfrage mit. "Die genauen Umstände werden derzeit gründlich untersucht." Die örtliche Polizei habe den Atemalkoholwert gemessen und 2,49 Promille ermittelt, sagte der Bundespolizeisprecher. Die Bahn wollte sich zu diesem Punkt nicht äußern.

Mit einer Stunde Verspätung in Leipzig angekommen - Fahrgäste werden entschädigt

Wie die Zeitung berichtete, sollte der Zug eigentlich um 22.10 Uhr in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) halten. Er sei mit 65-minütiger Verspätung an seinem Ziel Leipzig angekommen. Als offizieller Grund sei eine "Verzögerung im Betriebsablauf" angegeben worden. Die Reisenden, die nach Wittenberg wollten, seien mit der S-Bahn zurückgefahren, sagte ein Bahn-Sprecher.

In der Mitteilung des Unternehmens heißt es: "Wir entschuldigen uns bei unseren Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten, die sie durch die Situation in Lutherstadt Wittenberg bzw. Bitterfeld hatten. Selbstverständlich gelten auch in diesem Fall die Entschädigungsregeln der Fahrgastrechte vollumfänglich."

Bahn geht streng mit alkoholisierten Fahrern um - Wittenberg schon mal betroffen

 

 

Für Lokführer gilt eine Null-Promille-Grenze. Verstöße dagegen würden nach einem strengen Regelwerk geahndet, so die Bahn. Der Triebfahrzeugführerschein werde sofort eingezogen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben. Um ihn wiederzuerlangen, müsse der Betroffene anhand medizinischer und psychologischer Untersuchungen belegen, dass kein krankheitsbedingter Alkoholmissbrauch vorliegt und eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Das Eisenbahnbundesamt muss der Rückgabe des Führerscheins zustimmen.

Dass Lokführer versehentlich an einem Bahnhof vorbeifahren, kommt immer mal wieder vor. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren war schon einmal ein ICE an Wittenberg vorbei gefahren, ohne zu halten - am 4. Januar 2017. Der Lokführer bemerkte sein Missgeschick jedoch, stoppte den Zug und konnte in den Bahnhof zurückfahren. Einen ähnlichen Fall hatte es damals kurz zuvor in Bitterfeld gegeben. Mehrfach sind Züge schon an Wolfsburg vorbeigerauscht, auch Göttingen und Uelzen (Niedersachsen) waren schon betroffen.

Fahrgastverband Pro Bahn fordert harte Konsequenzen

Am Donnerstag, zwei Tage später, fordert der Fahrgastverband Pro Bahn harte Konsequenzen für den betrunkenen Lokführer. "Wer so erwischt wird, ist die längste Zeit seines Lebens Lokführer gewesen", sagte der Sprecher und Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. So etwas dürfe nicht vorkommen.

Betrunkene Lokführer sehr selten - Strafe erst nach Ermittlung der Bundespolizei

Nach Angaben der Bahn wurde der Triebfahrzeugschein des Lokführers eingezogen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben. Der Mann werde bis auf Weiteres nicht mehr eingesetzt, sagte ein Sprecher in Leipzig. "Der Vorfall wird Konsequenzen haben." Über strafrechtliche und arbeitsrechtliche Folgen könne aber erst nach Abschluss der Ermittlungen durch die Bundespolizei entschieden werden. "Jeder Lokführer weiß seit seiner Einstellung, dass Alkohol im Dienst gar nicht geht", sagte der Sprecher.

Ständige Kontrollen seien nicht möglich. Das Unternehmen vertraue darauf, dass sich die Beschäftigten an das Regelwerk hielten, sagte der Bahn-Sprecher. Auch Naumann von Pro Bahn hält Kontrollen nicht für zielführend. Es gebe bereits viele Sicherheitseinrichtungen. Zudem seien Fälle von betrunkenen Lokführern sehr selten.

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